Verlieren wir mit dem Digitalen unser Raumgefühl?

Wie sieht die Bühne der Zukunft aus, wie verändert sie sich gerade jetzt durch die Beschleunigung der Digitalisierung? Diese Fragen wurden auf der – in diesem Jahr am 30. März online veranstalteten – Konferenz „Staging the Future“ von internationalen Fachleuten diskutiert. Der Autor fragt, ob wir nach der Pandemie wieder zum traditionellen Theater zurückkehren können.

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Im vergangenen Jahr wurde das Theater mit einer in seiner gesamten Geschichte noch nicht erlebten Herausforderung konfrontiert: der Auswirkung von elektronischen und, in jüngerer Zeit, digitalen Medien. Natürlich hat das Theater neue Technologien immer willkommen geheißen, angefangen mit der Laterna magica bis hin zur Lichtsteuerung per Computer. Aber dies passierte immer innerhalb der künstlerischen und – bezeichnenderweise – physischen Grenzen des Theaters.

Neue Medien haben hingegen ein neues Publikum erschlossen, dessen Interaktion mit der medienbasierten Aufführung vom Theater völlig losgelöst ist. Es gibt eine ganze Generation, die mit der Interaktion mit elektronischen Leinwänden oder Bildschirmen aufgewachsen ist und die Aufführungen – Theater, Filme, Sportereignisse oder Stadionkonzerte – primär über ein elektronisches Medium wahrnimmt. Seit seinen Wurzeln bis zum 20. Jahrhundert waren alle Arten von Vorstellungen räumliche Ereignisse, die aus der Interaktion zwischen Darstellern und Zuschauern in einem gemeinsamen Raum bestanden. Der Bildschirm eliminiert die Erfahrung des Raums und schafft damit einen Zuschauer, dessen Wahrnehmungsverständnis der Aufführung radikal ...

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BTR Sonderband 2021
Rubrik: Essay, Seite 82
von Arnold Aronson

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