Streiflichter

Der Bühnen- und Kostümbildner Eberhard Keienburg ist am 18. Mai 2021 im Alter von 84 Jahren verstorben. Bühnenbildner wie er seien Weltenbauer, sagte er einmal. Mit ihren sehr persönlichen Erinnerungen lässt unsere Autorin seine Welt noch einmal lebendig werden. Als Künstlerische Leiterin der Sparte Puppentheater am Deutsch-Sorbischen Volkstheater in Bautzen hat Therese Thomaschke 2016 die Marionettenoper „Philemon und Baucis“ mit Eberhard Keienburg entwickelt, dies war seine letzte Inszenierung.

Kei, wir nannten ihn kurz und knapp Kei. Ich war gerade mal 14 und das musste man mindestens sein, wenn man zum jährlichen evangelischen Laienspielsommer der Landeskirche Sachsen fahren wollte. Etwa 20 junge Leute arbeiteten zwei Wochen lang in zwei oder drei Gruppen unter der Leitung von Regisseuren an jeweils einer Inszenierung, die dann gut besucht einmalig aufgeführt wurde. Die Regisseure und Organisatoren bildeten einen Arbeitskreis, der auch das Jahr über an Wochenenden Weiterbildung anbot: theoretisch, praktisch, thematisch, politisch – Theater in all seinen Facetten.

Kei war einer der maßgeblichen Leute. Damals, in den 70er-Jahren, war er bereits am Deutschen Theater, kannte sich also bestens in der Theaterwelt aus. Er durfte zu Gastspielen ins westliche Ausland fahren und kannte so viel mehr, als in unserem kleinen Land erlaubt war. Und er gab sein Wissen an uns weiter. Darauf waren wir stolz und darauf, dass wir professionelle Theater nicht nachmachten, sondern unsere eigenen Spielformen fanden. Unter dem Deckmantel der Kirche war auch politisch einiges möglich. Wir waren jung, wir hatten etwas zu sagen und wir spielten für unser Leben gern.

Kei war ein unerbittlicher ...

Eberhard Keienburg, geboren 1936 in Leipzig, studierte von 1954 bis 1961 an der HfBK Dresden Bühnen- und Kostümbild. Nach Engagements am Hans-Otto-Theater Potsdam, am Städtischen Theater Leipzig und am Berliner Ensemble war er von 1974 bis 2001 Ausstattungsleiter und Erster Bühnenbildner am Deutschen Theater Berlin. Eberhard Keienburg gestaltete Bühnen- und Kostümbilder für über 120 Theaterproduktionen und führte auch Regie. Er lehrte u. a. an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und der Technischen Fachhochschule Berlin. Von 1990 bis 1992 war er Gründungsvorsitzender des Bundes der Szenografen. 

Therese Thomaschke, Regisseurin und Puppenspielerin, Autorin und Ausstatterin, studierte an der Schauspielschule Berlin Puppenspiel, anschließend hatte sie verschiedene Engagements an Puppentheatern und war Mitglied in freien Theatergruppen sowie Gastdozentin. Von 1996 bis 1998 war sie Künstlerische Leiterin am Puppentheater Magdeburg, von 2008 bis 2018 Künstlerische Leiterin der Sparte Puppentheater am Deutsch-Sorbischen Volkstheater. Seit 2018 ist sie wieder freiberuflich tätig.

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BTR Ausgabe 3 2021
Rubrik: Foyer, Seite 7
von Therese Thomaschke

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