Starke Illusionen
Sie dienen der Orientierung, der Vertiefung des Bildes, dem Festhalten einzelner Bühnenmomente für eine vermeintliche Ewigkeit oder auch, ganz einfach: der Erzeugung starker Illusionen. Die Rede ist von vier OLED-Screens, die in Robert Lepages Stück „Glaube, Geld, Krieg und Liebe“ an der Schaubühne Berlin das Zentrum des sehr wandelbaren Bühnenbilds bilden und so etwas wie heimliche Hauptdarsteller sind. Den vier Wörtern des Titels entsprechen vier Ebenen, die das Stück hat, das Lepage mit einem Ensemble aus sieben Schauspieler:innen über ein Jahr entwickelt hat.
Es erzählt die Geschichte eines in Nachkriegsdeutschland „unehrenhaft“ geborenen Mädchens, das bei Nonnen aufwächst und später ein Star-Model wird, das sich für Waisenkinder einsetzt. Die Geschichte einer höheren Tochter, die sich von ihrer Industriellen-Familie absetzt, weil die mit den Nazis kollaboriert hat, und spielsüchtig wird. Die Geschichte ihres Sohnes, der mit Traumata aus seinem Einsatz in Afghanistan kämpft. Und die Geschichte eines schwulen Paares, das mithilfe einer ukrainischen Leihmutter Eltern werden will und von Russlands Überfall auf die Ukraine überrascht wird. Teilweise überschneiden sich die vier ...
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BTR Ausgabe 1 2025
Rubrik: Licht, Ton, Produktionen, Seite 26
von Sophie Diesselhorst
Through the Looking Glass Stage Photographs // 1985–2004
von Wilfried Hösl
232 Seiten, 185 Farbtafeln. ISBN 978-3-8296-1026-1
Schirmer/Mosel, München 2024 EUR 49,80 / CHF 57,30
„Die Fotografie ist Zeuge jenes komplexen Moments, der Theater ausmacht.“ So umschreibt Wilfried Hösl (*1957), seit 1993 Theaterfotograf der Bayerischen Staatsoper, seine langjährige...
BTR: Herr Koischwitz, was hat Sie zum Theater gebracht?
Carl Koischwitz: Das war eher Zufall: Nach dem Abi wusste ich nicht so recht, was ich machen sollte. Daher schob ich ein FSJ beim Theater Eisleben an – ich fand das Theater immer gut, war dort mit der Schule, aber auch privat einige Male. Im Zuge des FSJ entdeckte ich dann überhaupt erst den Beruf des...
Läuft man abends auf das Düsseldorfer Schauspielhaus (D’haus) zu, erhebt sich dessen Fassade wie ein Fels oder auch, thematisch passend, mächtig wie ein Wal zwischen festlich beleuchteten Fassaden einer Einkaufsmeile in den Himmel. Ein weißer Wal. Nähert sich der Besucher, wird eine Anzeige sichtbar, die über viele Monitore in großen Lettern vor monochromem...
