Natürlicher Klang ist wertvoll

Im Theater agieren Künstler, anders als im Konzertsaal, in einem separaten Bühnenraum. Die Klangübertragung ist auf die Portalöffnung begrenzt und Gesangsstimmen müssen den Orchestergraben überwinden. Wie wichtig ist Raumklang für Künstler und Publikum? Ein Plädoyer für einen natürlichen Klang – durch gute Raumakustik oder mit moderatem Technikeinsatz „unplugged-verstärkt“.

In vielen Theatern ist der Zuschauersaal für die Stimmen von Sängerinnen und Schauspielern auf der Bühne so schlecht zu erreichen wie das Tor für die Fußballer. Ob Fußball oder Gesang: Beides muss sich auf dem Weg zum Ziel durch eine, aus Sicht der Akteure, viel zu kleine Öffnung quetschen. Eine typischerweise 15 × 6 Meter große Bühnenöffnung verhält sich so, als würde man in einem Wohnzimmer Gesang aus dem Nachbarraum hören – und zwar durch eine 1 × 2 Meter große Zimmertür hindurch.

Wenn der Gesang dann noch, wie von manchen Bühnen, aus einem „mulmig“ klingenden und Obertöne schluckenden Raum kommt, dann ist schnell klar, dass von der großartigen künstlerischen Leistung beim Publikum wenig ankommt und Stimmen unschön verfremdet werden. Nun gibt es Opern- und Theatergebäude, beispielsweise die Semperoper Dresden, in denen die Portalzone und das Proszenium ausgeprägt schalllenkende Eigenschaften haben. „Schall-Düse“ nennt der befragte Musiker Jochen Pusch das. Er hat klassische Gitarre studiert und in langjähriger Arbeit als Musikpädagoge sowie Liedbegleiter ein feines Gehör für guten Klang entwickelt. Idealerweise wird eine natürlich klingende Bühnenakustik über günstig geformte, ...

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BTR Ausgabe 2 2022
Rubrik: Ton & Licht, Seite 32
von Ralph Kettenis

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