„Jedes Stück ist ein Prototyp“

In der Schlosserei eines Theaters entstehen vielfältigste Dinge – von Scharnieren über Transportwagen bis hin zu kleinen und großen Konstruktionen für Bauten auf, hinter, unter oder über der Bühne. Katja Kentenich, Leiterin der Schlosserei an der ­Berliner Schaubühne, erzählt, was sie für ihre Arbeit begeistert.

Die Berliner Schaubühne am Lehniner Platz liegt direkt am Ku’damm. Zur verspäteten Mittagszeit im noch sehr warmen September ist rund um das einst von Erich Mendel­sohn als Kino errichtete Theater viel los: Die Kantine zieht auch Berufstätige aus der Umgebung an, die Tische draußen sind alle besetzt. Gleich dahinter herrscht in der breiteren Gasse zwischen den Werkstätten und dem Hauptgebäude geschäftiges Treiben – Vorbereitungen für die neue Spielzeit.

„Durch die Tür mit den Bullaugen und dann rechts“, hat mir Katja Kentenich den Weg zur Schlosserei beschrieben.

Ich finde sie in ihrem winzigen Büro am Anfang ihrer Werkstatt. Es gibt gerade technische Probleme an einer Maschine und sie muss einen Mitarbeiter finden, der sich darum kümmert. Wir starten mit einem Rundgang. Zuerst zeigt sie eine metallene Hand in Originalgröße, die angefertigt wurde, damit sie auf der Bühne beim Herunterfallen von einem Kopf ein bestimmtes Geräusch erzeugen sollte. Daneben liegen auf einer Werkbank zahlreiche Pläne und Konstruktionszeichnungen von Bühnengegenständen, von Unter- und Obergestellen, von Transportwagen. Dann geht es in die Vorbauhalle, wo gerade eine Zarge zusammengeschweißt wird. Hier ...

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BTR Sonderband 2020
Rubrik: Thema: Berufsbilder & Porträts, Seite 36
von Julia Röseler

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