Großer malerischer Wurf

Das Museum Hamburger Bahnhof in Berlin hat mit Katharina Grosses raumgreifendem Farbspiel „It Wasn’t Us“ nach dem ­Shutdown wiedereröffnet. Bis zum 10. Januar ergießt es sich auf knapp 180 Meter Länge über das Museumsinnere bis nach draußen in die Stadt.

Es ist ein überbordendes Bild, ein Farbenrausch, der sich durch die historische Halle des Hamburger Bahnhofs – Museum für Gegenwart Berlin – ergießt und in seinen Bann zieht. Die Farbwoge beginnt vorne flach wie im Wattenmeer und steigert sich nach hinten zu einer Brandung, die kurz bevor sie an das Ufer der hinteren Glaswand prallt in mächtiger Höhe erstarrt. Dynamische Schlieren in Phosphorgelb, Violett, Orange und Kobaltblau, Smaragdgrün und Zinnoberrot überlagern sich kaleidoskopisch darauf.

Blaue, gelbe und rote Farbfetzen jagen über die Flächen, dunkles Grün trieft von dem zerklüfteten Grat hinein in knalliges Türkis und von der Skulptur auf den Fußboden.

Fü̈r die Ausstellung „It Wasn’t Us“ – Wir sind es nicht gewesen – hat die international renommierte Künstlerin Katharina Grosse in die Vollen ihrer Palette gegriffen und dem Raum damit eine neue Dimension verpasst. Denn das ausufernde Gemäldegebilde türmt sich auf mit Spalten und Höhlen, seine Oberfläche ist schnittig ausgekehlt, als hätten Winde und Stürme es über die Zeiten geschliffen. Bis unter die Decke bäumt sich die bizarre Form auf. Rillen, Brüche, Spitzen, Kanten: Je nach Blickwinkel oder Standort könnte es Schiff ...

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BTR Ausgabe 5 2020
Rubrik: Thema: Ausstellungen, Seite 16
von Irmgard Berner