„Es fühlt sich einfach richtig an“
Die Kostümbildnerin Karen Briem und der Modedesigner Andri Unarsson haben für die nachhaltige Kostümgestaltung der „Parsifal“-Inszenierung von Thorleifur Örn Arnarsson an der Staatsoper Hannover bereits zum zweiten Mal zusammengearbeitet. Zum Zeitpunkt des Interviews waren sie am Isländischen Nationaltheater in Reykjavik mit der Kostümgestaltung für Arnarssons Neuinszenierung der isländischen Saga „Edda“ beschäftigt, Premiere war am 26. Dezember 2023.
Sophie Diesselhorst: Karen Briem, Sie sind Kostümbildnerin für das Theater, Andri Unarsson, Sie kommen aus der Modewelt – was hat Sie beide dazu gebracht, Ihren Fokus auf nachhaltiges Design zu legen und zusammenzuarbeiten?
Karen Briem (KB): In meinen zehn Jahren als Kostümbildnerin fand ich es immer erstaunlich, in den Fundus zu kommen. Wie viel Material da schon vorhanden war! Es hat mich stets gereizt, Dinge von dort zu verwenden. Als ich 2022 mit dem Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson am Burgtheater Wien für eine Inszenierung von Shakespeares „Der Sturm“ zusammenarbeitete, beschloss ich, zu versuchen, alle Kostüme aus bereits vorhandenem Material herzustellen. Dabei habe ich aber gemerkt, dass das gar nicht so einfach ist, wenn ...
Journal und Resümee zur Produktion
Um ihre Erkenntnisse zu bündeln, führten Karen Briem und Andi Unarsson während der Produktion von „Parsifal“ an der Staatsoper Hannover ein Arbeitstagebuch. In diesem dokumentierten sie für alle drei Akte die Materialien, die sie für die Kostüme aller vorkommenden Figuren verwendeten. Im Falle der nachhaltigen Kostümgestaltung beschreiben sie auch die Methoden, mit denen sie arbeiteten.
Die spezifischen Vorteile der „Parsifal“-Produktion zeigen sich in finanziellen Einsparungen von insgesamt 59,84 Prozent des zur Verfügung stehenden Material-Budgets. Das kommt so zustande, dass 70 Kostüme ohne zusätzliche Umweltbelastung aus bereits vorhandenen Materialien hergestellt wurden, wobei innovative Praktiken angewandt wurden. Dafür wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Werkstätten angeleitet und mit Fachwissen in Sachen Nachhaltigkeit ausgestattet. Darüber hinaus wurden 40 Kostüme für die Wiederverwendung entworfen, indem sie so gestaltet wurden, dass die Textilien leicht für ein neues Modell zugeschnitten werden können.
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent der Bühnentechnischen Rundschau? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Bühnentechnische-Rundschau-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Bühnentechnische Rundschau
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
BTR Ausgabe 1 2024
Rubrik: Bau und Betrieb, Seite 46
von Sophie Diesselhorst
Wenn man Menschen fragt, was ihnen als Erstes in den Sinn kommt, wenn sie an Sydney denken, ist es meist das Opernhaus. Und genau das kommt uns auch in den Sinn, wenn wir nach herausragenden Projekten von Waagner-Biro Stage Systems gefragt werden. Durch unsere langjährige Partnerschaft mit dem Opernhaus, das zu den berühmtesten und meistfotografierten Gebäuden der...
Die Biennale für aktuelle Musik Frankfurt Rhein Main nennt sich cresc. Das Festival wird vom Ensemble Modern sowie dem hr-Sinfonieorchester ausgerichtet, in diesem Jahr vom 16. bis zum 25. Februar. Unter dem Titel „MeWe“ erforschen musikalische Formationen dabei das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft in einer Vielfalt von Spielarten aktueller Musik, an...
Ein Telefonat mit Anke Schierenbeck Anfang Dezember: „Wenn ich es nicht mache, macht es niemand“, sei ihre Motivation, über den Unfall und wie es mit der Heilung bzw. der Einschränkung weitergeht, zu sprechen. Denn bisher seien nach Vorträgen und Gesprächen immer wieder Leute zu ihr gekommen, die Ähnliches erlebt haben oder jemanden mit Sehbeeinträchtigungen...
