Denkmal schützt nicht vor brisantem Stoff
Technikgespräch am Staatstheater Cottbus. Gar nicht so leicht, die Protagonisten hinter der Bühne für einen Journalistentermin kurzfristig zusammenzubekommen. Matthias Günther, den Technischen Direktor. Sebastian Thoss, den Leiter der Ton- und Videoabteilung. Und den Beleuchtungsobermeister Dirk Seeber. An dem Vier-Sparten-Haus mit mehreren Spielstätten, das 400 Vorstellungen pro Jahr anstrebt, gibt es für Menschen wie sie natürlich jede Menge zu tun. Doch dann meldet Pressereferentin Gabriela Schulz, dass ihr Einfädeln erfolgreich war.
An einem regnerischen Frühlingstag sind wir um elf Uhr verabredet im „Tellheim“, der Theaterkantine im Großen Haus. Kenner erinnert dieser Name an den Major von Tellheim, Hauptfigur in Lessings Lustspiel „Minna von Barnhelm“. Cottbuser wissen: Mit dessen Aufführung öffnete das Theater am Schillerplatz im Oktober 1908 erstmals seine Türen. Ein Monument. Wahr gewordener Wunsch einer aufstrebenden Stadtbürgerschaft und noch immer eines der Wahrzeichen von Cottbus, das heute mit ca. 95.000 doppelt so viele Einwohner zählt wie im Jahr der Eröffnung. Die Stadt besitzt einen von Deutschlands schönsten Bühnenbauten, umso mehr seit den umfassenden Sanierungen der vergangenen Jahre. Jüngst bescheinigte eine vom Theater initiierte Umfrage unter Besuchenden einen positiven Ruf. „Die Mehrheit fühlt sich bei uns willkommen und dem Haus eng verbunden. Auch der bauliche Zustand sowie die Atmosphäre unseres einzigartigen Jugendstiltheaters wurden überwiegend positiv wahrgenommen“, heißt es im Fazit. Mehr als 1000 Fragebögen wurden mit professioneller Unterstützung durch die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München ausgewertet.
Reifste Leistung eines Jugendstil-Architekten
Im lockeren Plausch übernimmt Matthias Günther bald das Wort. Die anderen am Kantinentisch kennen ihren Chef, wissen, wohin es führen kann, wenn er erst mal ins Reden kommt. Günther, der „längst Gediente“, ein Urgestein und noch immer mittendrin. Seit 1984 arbeitet er an diesem Theater, seit 1999 als dessen Technischer Direktor. Und neuerdings geht er einem ungewöhnlichen Zusatzjob nach. Dazu später. Es dauert nicht lange, bis der Chef in die Geschichte eintaucht und den Namen Bernhard Sehring erwähnt. Sehring, der 1896 in Berlin mit dem Theater des Westens Aufsehen erregte, erhielt danach den Zuschlag, jenen Bau für Cottbus zu entwerfen, von dem Günther inzwischen jeden Stein kennt. Einen Bau, der als reifste Leistung des Berliner Architekten gilt. Filigrane Details und florale Muster in der Fassade, in Fenstern und Türen, die Klarheit und Symmetrie in den Formen und ebenso deren monumentale Ausmaße sind architektonische Kennzeichen des spätsezessionistischen Jugendstils. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Theater unbeschadet, obwohl es, zum Munitionslager umfunktioniert, kritische Infrastruktur geworden und von Sprengung bedroht war.
Sehring starb 1941 und musste somit nicht miterleben, wie der Krieg eine Reihe seiner Meisterwerke verschlang. Die Stadthalle Görlitz blieb fast verschont. Günther kommt darauf zu sprechen, weil ihm die Oberlausitz lieb und vertraut ist und weil er viele architektonische Parallelen findet bis hin zu Putten und Lampenträgern in den Logen. Das Haus an der Neiße musste Ende 2004 schließen. Nun soll die seit Jahren ersehnte Sanierung beginnen. Aber zurück nach Cottbus. Der Zahn der Zeit nagt überall und kontinuierlich. Sei es mürber Putz, ein ermüdeter Lautsprecher, für den es keine Teile mehr gibt, ein gealterter Server. Eingriffe mit Konsequenzen auf den Spielbetrieb erfuhr das Große Haus zuletzt in Vorbereitung auf seinen 100. Geburtstag 2008. Da musste das Theater für einige Monate ausziehen, damit gebaut und restauriert werden konnte, für mehr Sicherheit, Komfort und Ästhetik. Der Brandschutz wurde auf den aktuellen Stand gebracht. Teilklimatisierung sorgt seitdem für ein angenehmeres Raumklima. Der Saal wurde komplett neu bestuhlt, die Logen im 1. Rang sind in Anlehnung an das Original von 1908 wiederhergestellt worden. „Ansonsten nutzen wir in Cottbus die vier bis sechs Wochen Spielzeitpause intensiv, wenn wir etwas erneuern“, sagt Günther.
Modern, so weit es nur geht
Er ist stolz auf das Erreichte, zugleich legt sich Günthers Stirn beim Erzählen immer wieder in Falten. Denn seine Gedanken sind nie frei von den besonderen Ansprüchen, die sein Theater mitbringt, in dem gefühlt jeder Gegenstand und tatsächlich jede Inszenierung von der Denkmalschutzbehörde abzunehmen ist. Der hohe Schutz-Status – 85 Prozent der Bausubstanz ist und soll original bleiben – hat eine Kehrseite: „Wir sind nicht führend“, so Günther und blickt dabei besonders auf die Bühne selbst. Eine Automatisierung der Züge sei nicht möglich, die Untermaschinerie nennt er „steinzeitlich“. Doch damit lebt man. Der Theaterverein hat zwei Projektoren finanziert, die auf die Frontfassade beamen, was auf der Bühne gerade läuft. „Banner aus Stoff verbietet der Denkmalschutz“, begründet der Technische Direktor. Selbst für die Art der Projektion gäbe es Vorschriften. Welche Veränderungen möglich wurden im Laufe der Jahrzehnte, zeigt die Entwicklung der Platzkapazität. Waren es zur Gründungszeit 990 Sitze im Parkett und den zwei Rängen, sind es heute 620, noch knapp zwei Drittel davon. Die technischen Anlagen benötigen Raum bis hin zur Tonregie, für die eine Loge im Rang zur Tonloge umfunktioniert wurde. 1908 begann alles mit zwei Scheinwerfern – undenkbar spartanisch aus heutiger Sicht. Im „Tellheim“ wird es immer belebter. Mittagsgäste strömen herein. Wir machen den Tisch frei, starten einen Rundgang. Im Parkettfoyer zeigt Günther auf Düsen aus Messing an der Decke. Sie sind Teil der Sprühnebellöschanlage. „Wir brauchen sie, da unsere Garderoben aus Holz sind und zusammen mit den Textilien des Publikums eine Brandlast einbringen, die heute eigentlich nicht mehr sein darf.“ Es sind Exempel, wie dezent, ja geradezu organisch moderne Sicherheitstechnik in ein Haus mit Bestandsschutz integriert werden kann. Das gelingt nicht überall so. Schroff heben sich die elektromotorischen Antriebe ab, mit denen fast alle Außenfenster des Vorderhauses ausgestattet sind, um im Evakuierungsfall ohne Panik Frischluft zu gewähren. Einen schönen Anblick bieten diese wuchtigen Kolben wahrlich nicht, nur „ohne dürften wir nicht spielen“, erklärt Günther lapidar.
Glühlampe dient als Schmuckelement
Das Firmament aus 283 Lampen im Kuppelfoyer muss jeden überwältigen. „Die Glühlampe dient hier als Schmuckelement“, benennt der Technische Direktor eine Besonderheit. Sie setzt sich von den Foyers und Gängen bis in den Saal fort – insgesamt sind es rund 900 Lampen. Im Kuppelfoyer ist man dank der marmornen Musen, die vor den Wänden thronen, nie allein. „Es ist der schönste Raum im Haus.“ Tonmeister Thoss ergänzt: „Und der akustisch interessanteste.“ Jede Stelle in diesem Rondell klingt anders: hier unerwartet trocken, da verhallen die Worte mit einem geheimnisvollen Flattern. Seeber erinnert daran, was den Architekten zu diesem Lampenpalast motiviert hat. „Es war die Zeit, als Cottbus elektrifiziert wurde. Ein Elektrizitätswerk für die Straßenbahn wurde gebaut, die ersten Wohnungen erhielten Strom. Im Theater sollte sich das spiegeln“, so der Beleuchtungsobermeister. Spiegeln ist das Stichwort. Die Lampenfelder an den verglasten Wänden in den Logen im Saal suggerieren Unendlichkeit. Seitlich des Bühnenportals gibt es einen regelrechten „Sternenhimmel“. Jede Lampenfassung ist mit einem gezackten Kranz aus Messing verziert. Diese Kunst in der Architektur verzaubert, auch wenn heute LED-Technik dominiert – abgesehen vom Notlicht auf Halogen-Basis (die derzeit eingesetzten LED-Lampen sind nicht gleichstromfähig) und einem noch konventionell belassenen Saal (wegen der begrenzten Dimmbarkeit moderner Leuchtmittel). Für die Bühne kamen 2005 erste LED-Strahler zum Einsatz, bevor zehn Jahre später die erste energetische Sanierung folgte. „Mit dieser Investition konnten nennenswerte Schritte unternommen werden, die Qualität der Bühnenbeleuchtung zu verbessern und gleichzeitig Stromverbrauch sowie Verbrauchsspitzen zu senken“, so Seeber. Dass diese Kosten heute dennoch enorm sind, ist ein eigenes Kapitel und gar nicht spezifisch für das Staatstheater Cottbus. Das bezieht immerhin seit Jahren Ökostrom. Von 2014 bis 2023 ist der Bedarf im Großen Haus um 20 Prozent gesunken, noch stärker der Wert für die maximal gezogene Leistung, die den Strompreis wesentlich mitbestimmt.
Ringen mit dem Denkmalschutz
Ein Eingriff aus Ost-Zeiten, der heute kaum mehr auffällt, ist die Öffnung des Kuppelfoyers zum 2. Rang. Bis dahin waren die Plätze ganz oben, gedacht für die Arbeiterschicht, nur über separate Türen und Treppen zu erreichen. Die gut situierte Stadtgesellschaft sollte bei ihrem Besuch unter sich bleiben können. Als diese Barriere 1986 fiel, war das juristisch kein Problem, denn Bürgerliches Baurecht hatte die DDR ausgesetzt. Nach der Wiedervereinigung war es wieder anzuwenden. „Plötzlich entsprach unser Haus nicht mehr geltenden baurechtlichen Vorschriften. Die Diskussionen darüber gingen bis zur Schließung“, erinnert sich Günther. „Da es aber nun mal so umgebaut und diese Verbindung für unsere Besucher sehr angenehm und komfortabel war, sollte sie natürlich erhalten bleiben. Der Denkmalschutz hat nicht auf Rückbau bestanden.“ Günthers Blick fällt wieder auf die motorischen Fensteröffner, während er vom Sicherheitspaket erzählt, das zusammen mit den zuständigen Ämtern geschnürt und in fünf Bauabschnitten bis 2015 abgearbeitet wurde. Sogenannte Komplementärmaßnahmen sollten eine Gefährdung des Publikums ausschließen. „Im Sinne des Denkmalschutzes waren es natürlich weitere Bausünden.“ Frischluft über die Fenster ist ein Teil dieses Pakets. Um im Brandfall Rauchgas aus dem Kuppelfoyer abzusaugen, wurde in den kreisförmigen blauen Himmel ein ringförmiger, acht Zentimeter breiter Spalt eingearbeitet. Eine geniale, weil höchstens für Kenner sichtbare Realisierung. Auch die Lösung des Rauchproblems im Foyer des 2. Rangs ist dezent.
Hier fallen Lampensockel leicht von der Decke ab, Gase entweichen durch den gewonnenen Spalt. „Fragen Sie nicht, wie wir hier gerungen haben“, gesteht Günther, der aber das Verhältnis zu Ämtern und Behörden im Ganzen als gut und vernünftig bewertet. „Sie haben Verständnis für unsere Situation.“
Schwingboden und schwebendes Wohnzimmer
Wir gehen im Foyer vorbei an Lautsprechern in wandfarbenen Gehäusen, Spezialanfertigungen freilich, um technische Parameter wie Pegel und Frequenzgang durch die individuelle Farbschicht nicht zu verändern. Auch im Saal sind neben vielen Scheinwerfern in Standard-Schwarz einige Leuchten sowie das Gehäuse des Videoprojektors in „Wagenfarbe“ gehalten. Nun, der Raum habe „großen Charakter“, sagte Co-Schauspieldirektor Philipp Rosendahl am Rande einer Vorstellung, „man kann nicht weggucken“. Als Hausregisseur verantwortet er etwa die Dreierproduktion aus „Equus“, „Alice“ und „Der Sandmann“, eine Trilogie, die ins Unterbewusstsein führt. „Alice“ hat Rosendahl szenisch in den Saal hineinwandern lassen. Das Geschehen spielt auf einer gebauten Acht. Ein Kontinuum ohne Anfang oder Ende. Bühne und Licht unterstreichen stetige Veränderlichkeit der Dinge. Nichts bleibt, wie es einmal war. Eine besondere bühnentechnische Herausforderung bedeutet „Der Sandmann“. Hier sind die zwei Protagonisten jeweils doppelt besetzt mit Schauspieler:innen und Tänzer:innen. Das erfordert einen Schwingboden, dessen zeitaufwendiges Verlegen in den straffen Schichtplan eingetaktet sein will. Außerdem ist dieser Boden statisch nicht wie normaler Bühnenboden belastbar. Das Wohnzimmer, Zentrum des Bühnenbilds im ersten Teil, muss daher über dem Boden schweben.
Inspizient muss nicht mehr vor den Vorhang treten
Vom 2. Rang geht es hinab zur Bühne – still, denn gerade läuft eine Probe. Das Cockpit der neuen Inspizientenanlage wirkt unscheinbar. Wie die Spitze des Eisbergs einer fast eine Million schweren Investition, die hier gerade verbaut worden ist. Die bisherige Anlage genügte nicht mehr, Auflagen etwa zur Evakuierung waren die Folge. „Der Inspizient musste vor den Vorhang treten, im Notfall den ‚Brandbrief‘ verlesen und die Zuschauer zum Verlassen des Hauses auffordern. Das ist heute nicht mehr regelkonform“, erklärt Günther. Wird jetzt ein Alarm ausgelöst, stellt ihn die neue Anlage selbsttätig zur Feuerwehr durch, die Sirenen springen an, Besucher werden per Text informiert. Kabeltrassen müssen ein Feuer 30 Minuten lang aushalten können. Das alles bietet die neue Anlage zusammen mit erneuerten Kommunikationswegen, neuen Einrufsprechstellen und stark verbessertem Monitoring. Die Kosten von ca. 900.000 Euro inklusive Planungsleistung und Monitoring trägt als investive Leistung die Brandenburgische Kulturstiftung.
Ein Technischer Direktor, der zusätzlich kocht
„Wollen wir nicht erst mal etwas essen?“, fragt der Chef. Ich bin eingeladen und wähle vegetarisch: Blumenkohl mit Kartoffelbrei, lecker veredelt mit Butter und gehackter Petersilie. Alternativ gibt es Krautroulade. Selbst gekocht, sagt Günther beiläufig. Ich stutze zunächst nur. Beim Essen raunt er mir zu, das neue Soundsystem in der Kammerbühne, die ich anschließend besuchen werde, gäbe Stoff für einen eigenen Beitrag. Dann verabschiedet er sich aus unserer Runde gen Küche. Die Käse-Lauch-Suppe für den nächsten Tag ist vorzubereiten. Halt: Ein Technischer Direktor, der nebenbei am Herd steht? Ich frage später doch nach und Günther klärt mich auf. Da der Betreiber der zuletzt verpachteten Kantine und Bars während der Pandemie aufgeben musste, hatte Günther ein Konzept erarbeitet. „Da ich es nach über 40 Jahren Betriebszugehörigkeit leid war, dass wir durch Corona bedingt weder eine Besucher- noch Mitarbeiterversorgung hatten, habe ich es mir auf die Fahnen geschrieben, als eines meiner letzten großen Projekte, diesen Bereich wieder ins Leben zu rufen – in Eigenregie mit drei Festangestellten und studentischen Aushilfen.“ Fördermittel dürfen dafür nicht verwendet werden, daher muss diese „fünfte Sparte“ wirtschaftlich laufen. Das war nicht der Fall, als sich das Haus zunächst Essen hat anliefern lassen. „Die Unrentabilität in den ersten ein bis anderthalb Jahren hat mich dazu bewegt, als Kantinenkoch mitzuarbeiten, um schmackhaftes Essen preiswert anbieten zu können.“ So was geht nicht ohne außergewöhnliche Hingabe, Opferung von Freizeit und entsprechender Herkunft. Günther stammt aus einer Gastwirtfamilie. Nach dieser Geschichte ärgere ich mich etwas, nicht doch die Günther-Krautroulade probiert zu haben.
Neue Lichttechnik kommt mit weniger aus
Thoss und Seeber führen mich weiter zur Kammerbühne an der Wernerstraße. Dafür gehen wir durch den Park des Schillerplatzes, vorbei an einem leeren Springbrunnen mit drei Fontänen. Die Anlage aus den 1950er-Jahren wird gerade saniert. Das Staatstheater Cottbus hat zuletzt etwa 750.000 Euro in neue Lichttechnik auf LED-Basis investiert. Etwa ein Drittel davon kam der Kammerbühne zugute. Dies geschah zum einen im Rahmen der Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz des Brandenburg-Pakets, ein Förderprogramm der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB). Zum anderen, so Seeber, „haben wir die Scheinwerfer und Moving-Lights so ausgesucht, dass für die verschiedenen Sparten ein hoher Mehrwert entsteht.“ Verschlankung ist ein willkommener Nebeneffekt. „Wofür wir früher viele konventionelle Scheinwerfer gebraucht haben, benutzten wir heute weitaus weniger Geräte und haben trotzdem mehr gestalterische Möglichkeiten.“
Brandaktuelle und brisante Themen
Neben der neuen Inspizientenanlage fürs Große Haus, neuer Lichttechnik dort sowie an der Kammerbühne wurde jüngst noch eine dritte Investition umgesetzt: Die Kammerbühne erhielt in den Sommerpausen 2023 und 2024 eine komplett neue Beschallungsanlage inklusive Leitungen, Netzwerk- und Mischpulttechnik. Kosten: etwa 300.000 Euro. Dank dieser Maßnahme kann das Unwetter noch bedrohlicher wummern und prasseln, das womöglich vom fortschreitenden Klimawandel mitverursacht ist und das im Stück „Das Kraftwerk – Ein Theaterabend über Kohle, Wasser und die Ewigkeit“ akustisch über dem Publikum niedergeht. Brandaktuell und brisant sind auch die auf der kleinen Bühne verhandelten Themen, wie dieses Recherchestück von Calle Fuhr zeigt, das zusammen mit Investigativ-Journalistinnen von Correctiv entstand. Kern der von Correctiv am Premierenabend zeitgleich veröffentlichten Recherchen: Der Bergbaukonzern Leag erkauft sich das Schweigen der Region: bei Wasserwerken, Stadtverwaltungen und Kontrollbehörden, um die weitreichenden Folgen des Kohleabbaus zu verschleiern. Das Theater Cottbus hat sich nicht mitkaufen lassen, stattdessen dieses Stück auf die Bühne gebracht und damit für lebhafte Diskussionen gesorgt. Eine Einladung zum renommierten „Radikal jung“-Festival nach München folgte. In Cottbus läuft das Stück deutlich länger als ursprünglich vorgesehen. Ein besonderes Feature der neuen Beschallungsanlage kommt für „Das Kraftwerk“ nicht zum Einsatz, jedoch zunehmend für andere Produktionen: Das objektbasierte Signalmanagement, „das eine präzise Ortung aller Darstellenden auf allen Zuschauerplätzen ermöglicht“, fasst Thoss ein höchst komplexes System zusammen. Hier hat Günther recht: Dieses Thema verdient einen eigenen Beitrag. Der erscheint in einer folgenden BTR-Ausgabe.
Kammerbühne bald wieder Baustelle
Bald wird es im kleinen Haus eine neue Baustelle geben. Was sich in der oben angesprochenen Publikumsumfrage als Sorgenkind bestätigt hat, ist der Zustand der Sanitäranlagen der Kammerbühne. „Baubeginn für die Sanierung wird die Spielpause 2025 sein“, sagt Günther, und rechnet damit, dass sich die Maßnahme bis in die Spielpause 2026 erstrecken wird.
Karsten Blüthgen studierte Akustik und Musikwissenschaft. Er lebt in der Lausitz und schreibt Geschichten, Porträts und Musikkritiken für verschiedene Tageszeitungen und Fachzeitschriften.
BTR 2 2025
Rubrik: Foyer, Seite 4
von Karsten Blüthgen
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