Bühnenkünstler der Zwischenräume
Zwei große schwarze Wände flankieren das Entree in die Ausstellung am Pariser Platz. Nur ein dreieckiger Ausschnitt öffnet sich in die Räume dahinter. Eine Art Passepartout als Begrenzung und zugleich markante Form als Statement, wie Erich Wonder sie immer wieder in seine Bühnenräume eingeschrieben hat. Nachempfunden ist diese Architektur Wonders Bühnenbild zu Heiner Müllers Revolutionsstück „Der Auftrag“, das 1982 am Schauspielhaus Bochum zur Aufführung kam.
Es war die erste Zusammenarbeit des damals 33-Jährigen mit dem Dramatiker Müller und spielte mit der Idee des Zeigens und Verbergens, eines Komprimierens von sich widersprechenden Dingen, Situationen und Ereignissen. Und nun zwingt diese Eingangssituation die Besucher zu einem klar begrenzten Sich-inden-Raum-Bewegen – und genauem Hinsehen. Denn auf den schwarzen Wandtafeln steht je ein Satz von Müller: „Erich Wonder gehört auf seinem Gebiet zu den wenigen Künstlern, die den Punkt erreicht haben, von dem an die Willkür Genie wird“. Was für eine Wertschätzung für den Künstlerfreund! Links ist mit Kreide in Müllers Originalhandschrift notiert: „Bühnenbild-Ausstellung wie Lektüre von Stücken ohne Störung durch Schauspieler“. Ein ...
Irmgard Berner ist Kulturjournalistin und Bühnenbildnerin und schreibt über Theater, Kunst und spannende Projekte rund um die Kultur.
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BTR Ausgabe 1 2022
Rubrik: Ausstellungen/Messen, Seite 62
von Irmgard Berner
Auf den ersten Blick sparsam eingerichtet und gleichzeitig bildstark zeigte sich die Bühne für die zeitgenössische Oper „Sleepless“ in der Berliner Staatsoper. Drei Ruderboote und eine Laterne, dahinter ruht schimmernd – je nach Beleuchtung mal silbrig, mal blaugrün – ein meterhoher, den Bühnenraum füllender Fischkörper. Er liegt auf dem Trockenen, scheint...
Unter der Regie von Andrea Pfaehler und Eduardo Torres wurde die Neuinszenierung 2020 erstmals vorgestellt und 2021 überarbeitet erneut zur Aufführung gebracht. Ganze neun Stunden versetzte das Stück die Zuschauer in das Leben mit dem Schatten, die Rolle des Mephisto war dabei auf vier verschiedene Aspekte fokussiert. „In unserem ‚Faust‘ gibt es den Mephisto...
Lange Gesichter. In die blickten Intendant Markus Trabusch und Schauspieldirektorin Barbara Bily nach der Sommerpause, als sie das Ensemble über die Lage unterrichtet hatten: Inszenierungen waren im Haus an der Würzburger Theaterstraße 21 wegen des immer noch laufenden Umbaus nicht möglich. Ein im Untergrund liegender alter Bahnhof hatte für massive Verzögerungen...
