Zürich: Die Wolkenmacher
Wehmütig flockt eine Melodie durch den verlassenen Raum. Sehr lang sei es her, verkündet der Refrain, «it is a very long time, a very long time ago». Was lange her ist, verkündet er nicht. Das müssen der stille Ort und seine merkwürdigen Menschen, die nach und nach und mit Teetassen bewaffnet auf die Bühne tröpfeln, schon selber erzählen.
Schau- und Werkplatz dieser freien Thom-Luz-Arbeit ist eine Fabrik für Nebelmaschinen.
Ihr Kernprodukt ist im Alltag verzichtbar, ihr Element von flüchtiger Substanz – was durchaus an Aki Kaurismäkis Streichholzfabrik erinnert, an die sich der Stücktitel anlehnt, «The Girl from the Fog Machine Factory».
Jenseits von Horror-Musicals und Edgar-Wallace-Krimis fristet die Nebelmaschine auf dem Theater eine eher randständige Existenz – stets im Verdacht, effektvoll darüber hinwegtäuschen zu wollen, dass die Regie kein klares Bild von ihrer Inszenierung hat. Aus ganz anderem Grund ist die Nebelmaschine bei Thom Luz auffallend häufig anzutreffen. Bei ihm ist das Schleierhafte, das schnell Verwehende, die fließende Stimmung zwischen Schönheit und Melancholie ein zentrales Gestaltungsprinzip.
Die Bühne jedenfalls gleicht einem Depot für Sammlerstücke ...
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Theater heute Juli 2018
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Stephan Reuter
Wer ist Rieke? Unter dieser unausgesprochenenen Überschrift steht «Verzicht auf zusätzliche Beleuchtung», das neue Stück von Oliver Bukowski, das in der Regie von Stephan Rottkamp bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen als Koproduktion mit dem Deutschen Nationaltheater zur Uraufführung kam. Wer ist also diese Rieke?
Eine erste Antwort liefert Kathrin Frosch mit...
Die mehr als 200 Seiten der Hebbelschen Trilogie könnte man an drei aufeinanderfolgenden Tagen oder in einer langen Nibelungennacht spielen. Jeder Teil wäre ein Drama für sich und würde etwa drei Stunden dauern. In Mainz, wo es der Deutschen liebsten Blut- und Ehre-Mythos derzeit in der sprachmächtigen und psychologisch aufgefrischten Neudichtung Friedrich Hebbels...
Am Anfang war der Schaumstoff. Acht Köpfe – große, kleine, eckige, breite, zerknautschte, tierische, humanoide – linsen hinten über die schräg nach vorn gekippte Spielfläche und skandieren Schöpfungssätze aus der Genesis. Zwischendurch gucken sie sich an, kommentieren das Gesagte, kichern zu den selbstgeklopften Grantlsprüchen wie Waldorf und Statler aus der...
