Dieser radikale Anspruch an sich selbst
Die vermeintlich großen Dramen des kleinen Menschen führen zu vielen Absurditäten im Leben, und manchmal haben sie extreme Folgen. Die meisten Theaterstücke erzählen aber im Kern nicht von Mord und Totschlag, nicht von Glückseligkeit, vom Himmel auf Erden, sondern davon, was Menschen alles aushalten, wie sie das durchstehen, was ihnen unerträglich scheint.
Das Finale der Stücke mag mehr oder weniger spektakulär, freudvoll, desillusioniert oder auch tödlich sein, aber davor wird von einem Leben erzählt, das oft nur Überleben ist: das, was kommt, wenn das Schlimme, das traumatische Ereignis, eigentlich schon vorüber ist.
Karin Henkel gilt als eine Regisseurin, deren Arbeiten nicht auf einen Stil, auf eine dominante äußerliche Form zu reduzieren sind. Aber es gibt Kontinuitäten, es gibt eine deutliche Handschrift, zu der unter anderem gehört, dass sich Karin in all ihren Inszenierungen mit diesem Überleben und seinen Mechanismen beschäftigt: einfühlsam und emphatisch, manchmal auch unerbittlich, humorvoll und todernst, aber immer analytisch hellsichtig.
Politische Zwänge und private Deformationen
«Stil» – sagt Roland Barthes – «ist fast immer ein Alibi, das dazu herhalten muss, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2018
Rubrik: Akteure, Seite 30
von Rita Thiele
Es beginnt mit einem Lächeln. Mit einem von dieser beiläufigen, fast privaten Sorte, wenn Schauspieler anzeigen wollen, dass sie ihre Sache locker angehen. Und es ist auch ein Bild, das Ironie verträgt: wie Sarah Franke als Hedda Gabler da auf einem schwarzen Schwan hereingeschoben wird, wie ein Lohengrin-Zitat. Dafür also ein Lohengrienen. Und auch für den...
Geschlagene zwei Stunden, wie er nicht müde wurde zu betonen, hat sich der international vielbeschäftigte Regisseur und NT-Gent-Intendant Milo Rau Zeit genommen, um im Bordbistro eines ICE auf dem Weg zur Kerr-Preisverleihung am letzten Tag des Theatertreffens eine Jahrhundertfrage zu beantworten: Was unterscheidet die Schauspielkunst des 21. Jahrhunderts von dem...
Der Ast, der im Foyer des Theatermuseums von der Decke hängt, erinnert an die unkonventionelle Todesart, die den ungarisch-österreichischen Schriftsteller Ödön von Horváth am 1. Juni 1938 in Paris ereilte: Er wurde auf den Champs-Élysées von einem herabfallenden Ast erschlagen. Das hat den Ast so berühmt gemacht, dass er sogar in Josef Haders Kabarettprogramm...
