Zerbrochene Gedanken
Ort des Geschehens ist ein zerklüfteter Platz, hinter dem sich Thebens Königspalast erheben könnte. Auf solchen Plätzen wird diskutiert, was der Neue auf dem Thron gerade beschlossen hat. In Saarbrücken macht das ein Bürgerchor, der sich fragt, ob der aktuelle Herrscher tatsächlich die Probleme eines Gemeinwesens in den Griff bekommen kann, das nicht mehr vom brüderlichen Bürgerkrieg heimgesucht wird, wohl aber generalsaniert werden muss.
Wie desaströs die Lage ist, zeigt alleine schon Julian Marbachs Bühne.
Gespielt wird auf einer zerklüfteten Steinrampe zum Publikum hin, während ganz hinten das monumentale Prospekt einer in Grund und Boden zerbombten Stadt aufragt. Bilder von Städten, die sich innerhalb kürzester Zeit in ein Skelettpanorama mit verwüsteten Straßenzügen verwandeln, verbinden wir derzeit mit Namen wie Mariupol und Bachmut oder Gaza City und Khan Yunis. Saarbrückens Kreon sieht gelegentlich hin, kann mit der Verwüstung im Rücken aber wenig anfangen und ist auch sichtlich überfordert, wenn es um die Zukunft geht. Also steht er mitten im vielköpfigen Chor Saarländischer Laienbürger und muss sich Sachen anhören wie: «was tun wir jetzt zuerst / und was lassen wir? / ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Jürgen Berger
Bei Stücken ist es wie bei Menschen. Manche altern gut. Anderen sieht man an, dass sie aus einer Zeit mit anderen gesellschaftlichen Kämpfen kommen und keinen rechten Grip mehr in der Gegenwart finden – zumindest, wenn man sie so pur und unbehauen im leeren Raum (und später auch in Wind und Regen) stehen lässt wie Regisseur Johannes Holmen Dahl im Münchner...
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