Wildes Weib, neu formatiert
Kindsmörderinnen sind kein Mythos. Wer die Nachrichten nach Müttern durchkämmt, die ihre Kinder umgebracht haben, oft gleich nach der Geburt, stößt meist auf sozial oder psychisch prekäre, als Kind selbst vernachlässigte und misshandelte Frauen, häufig allein oder in schwierigen Beziehungen. Was auch immer ihr Motiv sein mag – ökonomische Ausweglosigkeit, Druck der Familie, Eifersucht, Selbsthass – immer ist Empathielosigkeit im Spiel, die Unmöglichkeit von Bindung.
Medea, Euripides’ mythische Königstochter aus Zeiten lange vor Psychologie und Pathologie, scheint da ein ganz anderes Kaliber. Sie ist eine große, ja maßlose Liebende: Sie hat im heute georgischen Kolchis ihren Vater Aietes bestohlen und Beihilfe zu seiner und ihres Bruders Ermordnung geleistet, um ihrem Geliebten, dem Argonauten Jason, zur siegreichen Heimkehr zu verhelfen. Doch so, wie sie sich um der Liebe willen gewaltsam aus allen Bindungen – Heimat, Familie – gelöst hat, zerfallen nun auch die neuen: Sie verliert Jason, als dieser merkt, dass seine Gattin in Korinth nicht anerkannt wird, und ihr neues Zuhause, weil König Kreon Jason als Schwiegersohn und Ehemann für seine Tochter Kreusa bestimmt. Als Medea dann ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Eva Behrendt
Linda Pöppel war im Ensemble des Schauspiels Leipzig, des Frankfurter Schauspiels und ist jetzt am Deutschen Theater Berlin engagiert. Dort hat sie jüngst in Sebastian Hartmanns Inszenierung von «In Stanniolpapier» eine der herausragendsten schauspielerischen Leistungen der Spielzeit geboten. Ein Porträt
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Eine «Kriegsmaschine gegen die Institution Theater», das ist für Florence Dupont die «Poetik» des Aristoteles. Der Philosoph, ein Fremder in Athen, der nie bei den Dionysien dabei war, sauge mit ihr der «lebendige(n) Kunst» und «volkstümliche(n) Praxis» das Blut aus. Denn Theater werde darin auf die «Darstellung einer Geschichte» reduziert, auf die Funktion der...
