Wie Achterbahn und Seifenblasen
Drei junge Frauen entwerfen einen radikalen Glücksplan für die Gesellschaft, geraten bei der Umsetzung in die Fallstricke des Systems und fahren ihre Mission mit Vollgas gegen die Wand.
Laura Naumann erzählt die Geschichte vom Ende her: Die Figuren sind tot und rekapitulieren von einem nicht weiter konkretisierten Ort aus die beste Geschichte ihres Lebens, ihres glamourösen Aufstiegs und ihres letztendlichen Scheiterns.
Einiges spricht dafür, dass dieser Ort eine Art Wachsfigurenkabinett ist, ein Museum für den Traum einer ganz anderen Welt, den die Nachwelt verklärt, gerade weil seine Umsetzung gescheitert ist. Das hört sich bedrückend düster an, klingt aber bei Naumann wie Popcorn und Seifenblasen, wie Achterbahn und Volksfest in Neongelb. Der Text gibt zu Beginn keine Hinweise darauf, dass die Protagonistinnen aus der Position Gescheiterter heraus berichten, und so folgt man gebannt dem Sog der ebenso temporeich wie humorvoll erzählten Geschichte.
Naumanns Figuren sind klar konturiert und typische Vertreter der Gegenwart. Lore reist ziellos in der Welt herum und weiß dabei zwar sehr deutlich, wovor sie flieht, aber rein gar nicht, wohin. Die scheue Mia hat sich in eine ...
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Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 163
von Franziska Betz
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