Vom Vordringen ins Innere
Wie gelangen wir sicher ins Innere? Und wieder hinaus, ohne den Halt zu verlieren?», fragt sich gleich zu Beginn von Kevin Rittbergers neuem Stück «Wir sind nach dem Sturm» der Bergrat Wilhelm August Julius Albert. Die Rede ist vom Vordringen in die Erde, die doch so viele Schätze unter ihrer harten Kruste verbirgt, die scheinbar gehoben sein wollen.
Gleichzeitig ist die Frage auch auf metaphysischer Ebene zu begreifen: Wie könnte man das menschliche Innere bereisen und heil wieder verlassen? Denn diese innere Kammer des Gegenübers hält wohl ähnlich viele Kostbarkeiten bereit wie Mutter Erde und dabei ebenso viele dunkle Ecken, in denen man sich Herz, Bein oder Genick brechen könnte. Nicht zuletzt ist sie aber auch anwendbar auf unser gesellschaftliches Ordnungssystem und die Frage, worauf es fußt und wie sich das darauf errichtete Denken und Handeln verändern lässt, ohne den Halt zu verlieren.
Doch zurück zum Bergrat. Er wird ein Seil entwickeln, das die Bergbaukunst revolutioniert und den Halt beim Abtauchen Richtung Erdkern wahrt. Was er nicht bedachte, war, dass die gewachsene Sicherheit der Bergleute nur die eine Seite der Medaille darstellte. Die Konsequenzen seiner ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 158
von Nora Khuon
Hier bleibt alles, wie’s ist: Das heißt, es wird schlimmer …», stellt Caren Jeß ihrem Stück im Prolog voran. «Die Walküren» – bei ihr, die das Stück aus dem Chor der neun mythologischen Wesen heraus denkt, explizit im Plural – nimmt deutlich Bezug auf Richard Wagners fast gleichnamiges Musikdrama und ist doch mehr als eine Überschreibung. Jeß potenziert den Stoff,...
Wenn ich mich zu diesen Themen als Schauspielerin an einer Staatlichen Bühne äußern soll, komme ich mir eher wie eine Soziologin vor, die sich ihrer eigenen Herkunft, ihres Alters und Geschlechts, ihrer Privilegien in hohem Maße bewusst sein muss! In diesem Sinne hoffe ich, mich möglichst präzise auszudrücken.
Im Kern hat der Großteil der sogenannten...
Muss man in Kriegszeiten Stücke über den Krieg schreiben oder lesen oder auf die Bühne bringen? Ist es überhaupt möglich, und welchen Nutzen könnte es haben? Lässt sich ästhetisch fassen, was gerade vorgeht? Und wenn Zuschauer: -innen es hierzulande im Theater betrachten, was könnte der Gewinn sein? Wer will das sehen? Und andererseits – wer stellt (sich) diese...
