Überall Sexuelles
Wie ändert sich in sieben Jahren der Blick auf ein Erstlingsdrama, das seinerzeit als veritables Horrorstück in die Theatergeschichte einging? Eine ganz normale vierköpfige Familie: Die pubertierenden Kinder sind inzestuös ineinander verwoben, Kurt bastelt in der Garage Molotowcocktails und wirft sie in fremde Häuser, am Schluss erschlagen die Geschwister ihre Eltern mit dem Hammer, und Kurt zündet sich selbst an.
Eine Begründung gibt es für die Häufung der Krassheiten letztlich nicht; die These von der terroristischen Struktur der klassischen bürgerlichen Kleinfamilie ist eine stehende Größe, als solche unhinterfragbar. Und so sucht Florian Fiedler in seiner Düsseldorfer Inszenierung auch gar nicht erst nach psychologischen Motivketten, sondern nimmt den atem- und szenenübergangslosen Text des Marius von Mayenburg zum Anlass eines dichten Theaterabends, der seine Plausibilität in sich selbst, in seiner ästhetischen Form findet und nicht im psychosozialen Kontext. Den hat der Autor ja ohnehin von etlichen Vorbildern zwischen Fleißer und Kroetz geborgt, an die sogar noch die pseudobayerische Idiomatik erinnert; innovativ ist die Forcierung, das Tempo, der zeitgemäße Drive.
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