Trigger dich selbst!
Trigger-Warnungen und Diskussionen um deren Berechtigung und deren Wortlaut begegnen mir zurzeit regelmäßig in meiner dramaturgischen Arbeit am Theater, aber auch im Unterricht mit Studierenden der darstellenden Künste. Die auf Saaltüren, Abendzetteln und Homepages festgehaltenen Ankündigungen potenziell verletzenden Zeichengebrauchs interessieren mich als Theaterwissenschaftlerin, die zum therapeutischen Diskurs im Gegenwartstheater forscht, genauso wie als Dramaturgin und Lehrende, die darum bemüht ist, Hierarchien zu bearbeiten.
Trigger-Warnungen erregen nämlich die Gemüter und werden im wütenden Kulturkampf furchtbar gern von rechts außen angeprangert: Eine Zensur stellten sie dar, bedrohten die Autonomie der Kunst, und sowieso dürfe man inzwischen ja selbst im Theater gar nichts mehr sagen. Dabei wird deutlich, dass diesen Kritikern die tatsächliche Dynamik der Trigger-Warnungen entgeht: Denn bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass sie ihnen oft in die Hände spielen, indem sie jene Machtverhältnisse, die sie zu verkehren suchen, ungebrochen fortschreiben, nicht selten gar verschärfen.
Ein kurzer Exkurs: Der englische Begriff «Trigger» bedeutet «Auslöser» und bezieht sich in ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Joy Kristin Kalu
Einen «autobiografischen Roman» nennt Samuel Finzi «Samuels Buch», sein Buch, die Coming-of-Age-Geschichte eines der beliebtesten und meistbeschäftigten Theater- und Filmschauspieler im deutschsprachigen Raum. Vielleicht wäre «Terrazzo-Mosaik» ein noch besserer Untertitel gewesen. Denn es ist der Terrazzo-Boden in seiner Berliner Küche, der ihn zum Terrazzo-Boden...
Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen, aber es gab Zeiten, da konnten Intendantinnen oder Intendanten nur dann den Job wechseln, wenn ihr Vertrag ausgelaufen war. Heute scheinen Verträge nur noch so lange bindend, bis ein besseres Angebot vorliegt. Die Wiener Festwochen haben von dieser Entwicklung in jüngster Zeit zuerst profitiert und dann darunter...
Fünf Tage lang ging es um jahrhundertealte Schuld genauso wie um die «Letzte Generation», um Queerness und um unumstößliche Männlichkeitsbilder, um die unendliche Liebe und um Gustaf Gründgens. Bei Gründgens dann allerdings weniger um die unendliche Liebe als um dessen stromlinienförmiges Verhalten während der NS-Zeit. Es ging um Herkunft und fremde Sprachen,...
