Trigger dich selbst!
Trigger-Warnungen und Diskussionen um deren Berechtigung und deren Wortlaut begegnen mir zurzeit regelmäßig in meiner dramaturgischen Arbeit am Theater, aber auch im Unterricht mit Studierenden der darstellenden Künste. Die auf Saaltüren, Abendzetteln und Homepages festgehaltenen Ankündigungen potenziell verletzenden Zeichengebrauchs interessieren mich als Theaterwissenschaftlerin, die zum therapeutischen Diskurs im Gegenwartstheater forscht, genauso wie als Dramaturgin und Lehrende, die darum bemüht ist, Hierarchien zu bearbeiten.
Trigger-Warnungen erregen nämlich die Gemüter und werden im wütenden Kulturkampf furchtbar gern von rechts außen angeprangert: Eine Zensur stellten sie dar, bedrohten die Autonomie der Kunst, und sowieso dürfe man inzwischen ja selbst im Theater gar nichts mehr sagen. Dabei wird deutlich, dass diesen Kritikern die tatsächliche Dynamik der Trigger-Warnungen entgeht: Denn bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass sie ihnen oft in die Hände spielen, indem sie jene Machtverhältnisse, die sie zu verkehren suchen, ungebrochen fortschreiben, nicht selten gar verschärfen.
Ein kurzer Exkurs: Der englische Begriff «Trigger» bedeutet «Auslöser» und bezieht sich in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August-September 2023
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Joy Kristin Kalu
Als Schauspielerin ist Maria Happel, 60, die Stimmungskanone des Burgtheaters. Wenn sie auftritt, gibt es viel zu lachen. Konsequenterweise steht sie dabei meist direkt an der Rampe und schleudert eine Wuchtel nach der anderen in den dankbaren Zuschauerraum. Happels Status als Wiener Publikumsliebling ist ungebrochen – obwohl sie gebürtige Deutsche ist. Zugleich...
Tove Ditlevsen war 50 Jahre alt, als die ersten Erinnerungsbände ihrer «Kopenhagen»-Trilogie erschienen. Zehn Jahre später, 1977, nahm sich die dänische Autorin mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben. Schon früher, erzählt sie in Band drei, «Abhängigkeit», haben Medikamente eine fatale Rolle in ihrem Leben gespielt: Nach zwei relativ kurzen Ehen mit dem...
Vili Viorel Paun verfolgt den Täter in seinem Auto durch Hanau. Am Kanaltorplatz zwingt er ihn durch clevere Bedrängungs- und Blockade-Manöver vorzeitig zur Flucht und rettet auf diese Art wahrscheinlich mehrere Menschenleben. Während seiner weiteren Täterverfolgung ruft Vili Viorel Paun immer wieder die 110 an. Aber niemand hebt ab. Wie sich später herausstellen...
