Trigger dich selbst!
Trigger-Warnungen und Diskussionen um deren Berechtigung und deren Wortlaut begegnen mir zurzeit regelmäßig in meiner dramaturgischen Arbeit am Theater, aber auch im Unterricht mit Studierenden der darstellenden Künste. Die auf Saaltüren, Abendzetteln und Homepages festgehaltenen Ankündigungen potenziell verletzenden Zeichengebrauchs interessieren mich als Theaterwissenschaftlerin, die zum therapeutischen Diskurs im Gegenwartstheater forscht, genauso wie als Dramaturgin und Lehrende, die darum bemüht ist, Hierarchien zu bearbeiten.
Trigger-Warnungen erregen nämlich die Gemüter und werden im wütenden Kulturkampf furchtbar gern von rechts außen angeprangert: Eine Zensur stellten sie dar, bedrohten die Autonomie der Kunst, und sowieso dürfe man inzwischen ja selbst im Theater gar nichts mehr sagen. Dabei wird deutlich, dass diesen Kritikern die tatsächliche Dynamik der Trigger-Warnungen entgeht: Denn bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass sie ihnen oft in die Hände spielen, indem sie jene Machtverhältnisse, die sie zu verkehren suchen, ungebrochen fortschreiben, nicht selten gar verschärfen.
Ein kurzer Exkurs: Der englische Begriff «Trigger» bedeutet «Auslöser» und bezieht sich in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August-September 2023
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Joy Kristin Kalu
Es ist ein Spiel. Jason (David Kosel) hat zwei Minuten, um zu erraten, welche Gesten er ausführen, welche Gegenstände er benutzen muss, um den großen Preis, eine blaue Glitzer-Nietenjacke – auch bekannt als Goldenes Vlies – zu erhalten. An der Seite sitzt die Familie des Königs Aietes samt Medea (Kriemhild Hamann) im bereits blutbefleckten Shirt. Mit Klatschen...
Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen, aber es gab Zeiten, da konnten Intendantinnen oder Intendanten nur dann den Job wechseln, wenn ihr Vertrag ausgelaufen war. Heute scheinen Verträge nur noch so lange bindend, bis ein besseres Angebot vorliegt. Die Wiener Festwochen haben von dieser Entwicklung in jüngster Zeit zuerst profitiert und dann darunter...
DUISBURG, LIEBFRAUENKIRCHE
12.8.–23.9., My Body Is Not An Island Eva Kot'átková
Die tschechische Künstlerin Eva Kot’átková entwickelt nach Stationen in Bordeaux und Prag eine ortsspezifi -sche Version von «My Body Is Not An Island»: Ein dekonstruierter, gigantischer Körper – teils Tier, teils Mensch – aus einem Metallgerüst geschweißt, über -dimensionale...
