Süchtig nach dem Unmöglichen
In Tom Kühnels und Jürgen Kuttners Brecht-Inszenierung vom «Untergang des Egoisten Johann Fatzer» am Berliner Deutschen Theater gibt es eine (Video-)Szene, in der Andreas Döhler als Fatzer über die Warschauer Brücke irrlichtert.
Der Schauspieler – seit acht Jahren Ensemblemitglied am DT – attackiert dort in einer erfrischend aggressiven Mischung aus (Passanten-)Angriff und (Selbst-)Verteidigung die unzulängliche Welt und spielt diesen Fatzer ein bisschen wie einen überdurchschnittlich ambivalenten Baal: Irgendwie animalisch, aber immer auch geschlagen mit diesem verfluchten Zwang zum Denken. Sehr Döhler-like.
Davon abgesehen, dreht die Inszenierung den «Fatzer» quasi abendfüllend durch den V-Effekt-Wolf: Jede Szene hat einen anderen Style, vom Disney-Musical über den Comic bis zur Punkkonzert-Reminiszenz. Ständig wechselt das Licht, fährt rechts eine Leinwand runter und links ein Podest hoch, und der Text ist eigentlich auch ein ganz cooles Nümmerchen – unter vielen.
Wenige Tage nach der Premiere sitzt Andreas Döhler im Kreuzberger «Nest», einer würdig abgerockten Kiez-Kneipe am Görlitzer Park – und wiegelt Premieren-Glückwünsche freundlich ab: «Ach, mich macht der ‹Fatzer› eher ...
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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Akteure, Seite 26
von Christine Wahl
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