Stuttgart: Vom Ende her

Anton Tschechow «Der Kirschgarten»

Wieder am 2., 7. und 26. Juni 2017 in Stuttgart.

Am Anfang ist schon alles am Ende. Und dieses Ende ist betörend ruhig, fast meditativ und unbedingt sehenswert. In rotes Licht getaucht liegen Menschen am Boden, zärtlich miteinander verwoben, zu leisen Gitarrenklängen in Streicheleinheiten vertieft. Nur eine scheint nicht ganz dazuzuge­hören: Die Ranjewskaja (Astrid Meyerfeldt), ehemals Hausherrin hier, traumwandelt im eleganten roten Hosenanzug zwischen diesen Körpern umher. Längst ist alles verkauft, und mit ihrem taxierenden Blick scheint sie in Erinnerungen zu schwelgen, die nur ihr gehören.

Später muss man sie wegtragen, denn das Loslassen fällt schwer.

In seiner Stuttgarter Inszenierung von Tschechows «Der Kirschgarten» beginnt Robert Borgmann mit dem Schluss. Und dieser erste – eigentlich ja letzte – Akt ist der stärkste seiner Inszenierung. Auch wenn man nicht so recht begreift, war­um er das Ende an den Anfang stellt. Die Bühne hat der Regisseur wie immer selbst gestaltet. Nach hinten zulaufende Wände begrenzen den Raum, den Borgmann per Projektion mit grafischen Mustern und farbigem Licht bespielt. Ein Eisblock dient als Bank, die vor sich hinschmilzt – das Verschwinden als Sitzgelegenheit. Borgmanns Szenerie ist im ...

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Theater heute Juni 2017
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Kristin Becker

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