Schwerin: Im Hamsterrad
Erzählt wird vom Ende her. Titelheld Liliom rammt sich gleich im ersten Bild ein Messer in die Brust und verblutet vor dem Eisernen Vorhang, aus dem sich ein Stahlgerippe in die verschnörkelte Neorenaissance-Architektur des Mecklenburgischen Staatstheaters schiebt. Ein Hamsterrad vielleicht, das einen nicht mehr loslässt, wie schnell man auch rennen mag. Oder ein Röhnrad, das einsam auf früheren Spaß verweist. Oder ganz profan das Karussell, auf dem der Schausteller Liliom zu Lebzeiten arbeitete. Jedenfalls ist Liliom tot.
Und wird nicht etwa von Engeln abgeholt, sondern von zwei Polizisten: Das Himmelstor ist eine trostlose Polizeiwache, und der Tod keine Erlösung, sondern armselig jovialer Bürokratismus. Strizzi-Romantik gibt es keine, sagt Regisseurin Alice Buddeberg, dann lässt sie den Vorhang hochfahren, und dann fängt sie noch einmal von vorne an.
Franz Molnárs 1909 uraufgeführte «Vorstadtlegende» «Liliom» ist kein einfaches Stück. Die Geschichte eines Kleinkriminellen, der seine Freundin schwängert, versucht, mittels eines Raubüberfalls eine Zukunft für die junge Familie zu konstruieren und dabei gnadenlos scheitert, der sich der Verantwortung mittels Suizid entzieht und ...
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Theater heute Mai 2017
Rubrik: Chronik, Seite 68
von Falk Schreiber
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