Foto: Gabriela Neeb
Unversöhnliche Liebeserklärung
Lang hat man nichts von ihm gehört. Auch im Münchner Revier zwischen Marienplatz, Viktualienmarkt und dem Schneider Bräuhaus im Tal, wo man ihm früher oft über den Weg laufen konnte, weit ausschreitend mit weißen Cowboystiefeln, den Blick entschlossen ins Blaue gerichtet, ist Herbert Achternbusch nicht mehr unterwegs. Die Beine wollen nicht mehr.
Altersweise ist er aber zum Glück nicht geworden, das Hirn hat nichts eingebüßt von seiner unberechenbaren Sprunghaftigkeit, und so ist nun aus der hochgelegenen Künstlerwohnung in der Burgstraße unverhofft ein neues Stück herabgeweht, das gleich ums Eck auf dem Marienplatz spielt. «Dogtown Munich» heißt es und ist natürlich keine Hommage, sondern allenfalls eine unversöhnliche Liebeserklärung an die Stadt, in der er 1938 geboren wurde und es nun wohl auch bis zum Ende aushalten wird. Angedockt hat das Werk zur Uraufführung nicht etwa an den Kammerspielen als einstigem Heimspielplatz, sondern am Münchner Volkstheater.
Orte und Landschaften haben dem Erfinder des Andechser Gefühls bekanntlich schon immer was ausgemacht, besonders die bayerischen. Gegen die idyllischen Bastionen behäbig (selbst-) gefälliger Denk- und Lebensart musste er ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2017
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Silvia Stammen
Psychopathologie, die den Körpern eingeschrieben wird. Gefühlte Schwäche produziert anmaßende, ihrer selbst nicht sichere Stärke. «nicht schlafen» wurde inspiriert von Philipp Bloms «Der taumelnde Kontinent» sowie der Musik Gustav Mahlers, des spätromantischen Krisen-Diagnostikers aus der Klimazone Sigmund Freuds. In der kulturgeschichtlichen Betrachtung der Belle...
Wenn sich Herbert Fritsch Grimms Märchen vornimmt, dann lodert die schwarze Bürgerseele in hellen Wahnsinnsflammen: «Grimmige Märchen» in Zürich.
Ein Stückabdruck nach 93 Jahren: Ödön von Horváths «Niemand», unlängst uraufgeführt in Wien und nachgespielt in Berlin.
Manchmal plant die Redaktion etwas, doch das Leben plant eigenwilligerweise anders. Aber im Juni...
Für einen angehenden Dramatiker entwarf der junge Brecht eine recht krude Sprachkritik. Man habe nicht seine eigenen Wörter, man wasche sie auch nicht wie die eigenen Wäsche: «Im Anfang war nicht das Wort. Das Wort ist am Ende. Es ist die Leiche des Dinges.» Das Wörterklauben hatte für den Schriftsteller scheinbar nur bedingten Reiz, mindestens genauso interessant...
