Rücken an Rücken
Vertrauen und Ausdauer braucht es, um in dieses Buch hineinzufinden. Denn es beginnt, gelinde gesagt, im Chaos. Da sind ein «ich» und ein «du», Erinnerungen an random rangezoomte Orte wie Johanngeorgenstadt im Erzgebirge oder Gjirokastër (Städtchen in Süd-Albanien, nicht der letzte Name, den ich gegoogelt habe), die wiederum Kindheiten im Ruhrgebiet wachrufen. Schon auf den ersten Seiten wimmelt es von Namen, Jahreszahlen, Zitaten, von allgemein Wissenswertem neben Hypersub -jektivem.
Viele Sätze beschreiben Konkretes, doch das Konkrete bezieht sich nicht unbedingt logisch aufeinander. Nichts wird erklärt, auch nicht, ob «ich» und «du» Enis Maci und Pascal Richmann sind, die dieses Buch zusammen geschrieben haben – und darüber hinaus ein Paar sind.
Doch nach und nach werden ein paar Strohhalme ausgeworfen, an die sich die Leserin klammern kann. Da ist zum Beispiel Pando, der dem Roman seinen Titel gibt: ein Wald in Utah, der zugleich «das schwerste und größte und älteste Lebewesen der Welt» ist, denn seine 47.000 Espenstämme sind Teile eines einzigen, durch ein 43 Hektar großes Rhizom verbundenen Organismus. «Sie sind identisch, auch wenn sie andere sind. Und wenn einer fällt, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Bücher, Seite 36
von Eva Behrendt
WWW.ARDMEDIATHEK.DE
bis Januar 2025, Ein Mann seiner Klasse
Fernsehfilm, Deutschland 2024, Regie Marc Brummund Nach dem autobiografischen Roman von Christian Baron erzählt der Film über seine von Armut und Ungleichheit geprägte Jugend in Kaiserslautern.
WWW.ARTE.TV
bis 2027., Ein Volksbürger. Politische Farce mit Fabian Hinrichs
Aufzeichnung der Inszenierung von...
Finster geht es zu am Meeresgrund, und das nicht nur, weil keine Sonne durchdringt. Auch emotional wird’s höchstens grau. Man entsteht halt, treibt ein bisschen Symbiose, frisst wen auf und wird gefressen. Schlechtgelaunte Zeitgenoss:innen könnten es dabei belassen, weil es spätestens in kosmischem Maßstab ja auch die Menschheit hier oben nicht besser hat: ein...
Ein Alptraum in stechendem Mittelhellblau. Wer das Gutshaus im «Apfelgarten», einer launigen «Kirschgarten»-Überschreibung erstaunlich unfrei nach Tschechow von Dörte Hansen und (Regisseur) Antú Romero Nunes betritt, sollte seine Farbempfindlichkeit stark herunterschrauben. Das grelle Setting mit meterhohen Wänden in steriler Wandfarbe (Matthias Koch) signalisiert...
