Kunst mit Wohlfühlfaktor
Eine Künstlerin allein in der Wüste, eine Mutter im Multitasking-Kollaps mit Happening-Happy-End, ein Mann mit der ganzen Last seiner Kindheit auf den Schultern – drei starke Einzelkämpferpositionen auf der 8. Ausgabe des Rodeo-Festivals für Tanz, Theater und Performance, die im vergangenen Oktober an verschiedenen Spielorten in München Zeichen setzte für vielfältiges Wachstum und Resilienz in Zeiten von nun auch hier drohenden Sparmaßnahmen.
Elf Wiederaufnahmen aus den letzten Jahren und eine Uraufführung bildeten den Kern des von Ute Gröbel und Antonia Beermann von der Spielstätte HochX und der Dramaturgin Anna Donderer vom Kulturbüro Rat & Tat zum zweiten Mal verantworteten Showcase, das mit einer Liebeserklärung der Kuratorinnen an «die Freie Szene» begann und in der Folge Körper-Politiken, diversere Publika und niedrigschwellige Zugänglichkeit für alle in den Fokus stellte.
Erstmals waren mit «Things am Ende der Welt» von Alfredo Zinola und «Hey Körper» der Tänzerin Sahra Huby zwei Kinder-Tanzstücke mit am Start. Das O-Team lud mit «Nachtstück N°5» zum kollektiven Sleep-in mit Live-Traumeinlagen, das choreografische Duo Rykena/Jüngst befragte in «Transfigured» nicht nur ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Silvia Stammen
Nino hat einen Traum. Gut, er hatte schon viele Träume, der vorletzte hat ihn in einen Zweiradschrauber verwandelt. Irgendwann davor dürfte er vom ewigen Glück mit Erik geträumt haben, seinem vernunftgesteuerten Lebenspartner, zu dem Nino lange aufrichtig aufgeschaut hat. Länger als gut war. Jetzt jedenfalls steht Nino in diesem abgerockten Wirtshaus, glüht vor...
«Der Reisende» zu lesen, fühlt sich an, wie langsam in einen Abgrund gezogen zu werden – vorbei an fröhlich winkenden Menschen. Ulrich Alexander Boschwitz, 23 Jahre alt und selbst im Herbst 1938 schon im Exil irgendwo zwischen Luxemburg und Belgien, hat den Roman in nur wenigen Wochen geschrieben. Er ist eine Reaktion auf die Novemberpogrome.
Die erzwungene Reise...
Finster geht es zu am Meeresgrund, und das nicht nur, weil keine Sonne durchdringt. Auch emotional wird’s höchstens grau. Man entsteht halt, treibt ein bisschen Symbiose, frisst wen auf und wird gefressen. Schlechtgelaunte Zeitgenoss:innen könnten es dabei belassen, weil es spätestens in kosmischem Maßstab ja auch die Menschheit hier oben nicht besser hat: ein...
