Regensburg: Triumph der Poesie
Werner Fritsch ist der Theatermann fürs grob Verworrene, für die verschmitzte Provokation, die hirnschwurbelnde Sprachakrobatik und überhaupt für Abende, an denen man am Ende nicht mehr so recht weiß, ob man jetzt gut unterhalten oder doch auf hohem Niveau verarscht wurde.
Es kann auch durchaus beides zutreffen, und am Ende von «Shakespeares Schädel in Fausts Faust» brummt einem nicht nur der Kopf, man ist auch ein wenig beglückt von dem experimentellen Wagemut, der auf der Basis des plumpen titelgebenden Kalauers das Gedanken- und Sinnesspiel lustvoll auf die wacklige Spitze treibt.
Zu loben und zu bewundern ist erstmal das Theater Regensburg, das Fritsch (als in Waldsassen Geborener ja quasi ein oberpfälzischer «Heimatdichter») den Auftrag gab, sich zu Shakespeares 400. Geburtstag etwas einfallen zu lassen. Dass da keine Hommage und kein Kniefall herauskommen würde, darauf musste man gefasst sein. Und auf der mit Volksbühnen-Glitzerlametta dekorierten Bühne (Karla Fehlenberg, auch verantwortlich für schrägste Verkleidungen) kommt es dann tatsächlich zu einem irrwitzigen Parforce-Ritt durch die Gedanken- und Figurenwelt des großen Dichters Englands, an dem sich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2017
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Bernd Noack
Schade, dass Gerhard Stadelmaier die Verfilmung von Peter Handkes Stück «Die schönen Tage von Aranjuez» durch Wim Wenders nicht mehr im Dienst erlebt. Denn die Verfilmung sieht so aus, wie Stadelmaier das Stück aninszeniert hat in seiner Besprechung der Premiere von 2012: «Man müsste die beiden nur sitzen, sprechen und träumen lassen. Und wenn sie...
So viel wurde in München schon lange nicht mehr über Theater gestritten – zumindest in dieser Hinsicht dürfte sich Kammerspiele-Intendant Matthias Lilienthal am Ziel seiner Wünsche fühlen. Sonst liegen die Standpunkte derzeit weit auseinander – schon in der Frage, worum es in der Debatte überhaupt geht.
Zur Erinnerung eine kurze Chronologie der aufgetretenen...
In Greifswald passiert was, so ist zu vernehmen. Ein neuer Oberspielleiter hält mit dieser Spielzeit das Ruder, Reinhard Göber, einst in Lübeck aktiv. «Faust. Ein Fragment» legt er zum Auftakt vor, einen knackigen Achtzigminüter. Die Lokalpresse applaudiert. Zuletzt war sie eher mit Krisenmeldungen befasst. Das Leitungsteam des Theaters Vorpommern um Intendant...
