Regensburg: Triumph der Poesie

Werner Fritsch «Shakespeares Schädel in Fausts Faust» (U)

Theater heute - Logo

Werner Fritsch ist der Theatermann fürs grob Verworrene, für die verschmitzte Provokation, die hirnschwurbelnde Sprachakrobatik und überhaupt für Abende, an denen man am Ende nicht mehr so recht weiß, ob man jetzt gut unterhalten oder doch auf hohem Niveau verarscht wurde.

Es kann auch durchaus beides zutreffen, und am Ende von «Shakespeares Schädel in Fausts Faust» brummt einem nicht nur der Kopf, man ist auch ein wenig beglückt von dem experimentellen Wagemut, der auf der Basis des plumpen titelgebenden Kalauers das Gedanken- und Sinnesspiel lustvoll auf die wacklige Spitze treibt.

Zu loben und zu bewundern ist erstmal das Theater Regensburg, das Fritsch (als in Waldsassen Geborener ja quasi ein oberpfälzischer «Heimatdichter») den Auftrag gab, sich zu Shakespeares 400. Geburtstag etwas einfallen zu lassen. Dass da keine Hommage und kein Kniefall her­auskommen würde, darauf musste man gefasst sein. Und auf der mit Volksbühnen-Glitzerlametta dekorierten Bühne (Karla Fehlenberg, auch verantwortlich für schrägste Verkleidungen) kommt es dann tatsächlich zu einem irrwitzigen Parforce-Ritt durch die Gedanken- und Figurenwelt des großen Dichters Englands, an dem sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2017
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Bernd Noack

Weitere Beiträge
Vorschau

Wer hätte gedacht, dass Christoph Marthaler und sein Team mal so richtig bitterernst werden können? Aber beim Tod von Flüchtlingen im Mittelmeer hört der Spaß auf: «Die Wehleider» im Hamburger Schauspielhaus.

Wie wird ein gut integrierter junger Deutschtürke der zweiten Generation zum fanatischen Islamisten? Dazu muss man nur Nuran David Calis’ «Kuffar. Die...

Fragen ohne Antworten

Mit lässiger Geste schüttelt der Regisseur und Autor Alexander Eise­nach seinen Finanz-Western «Der kalte Hauch des Geldes» in die Frankfurter Kammerspiele. Eisenach fragt nicht weniger als a) nach dem Zustand der Welt und b), wie die Macht des Kapitals zu brechen sei. Natürlich findet er keine Antworten, will aber auch trotz vieler gar nicht unkluger...

Groteskes Triptychon

Sie sind gekommen, um «Tschüss» zu sagen. Nach fünf Jahren an der Volks­bühne, nach fünf Jahren Festspielen mit der vielköpfigen Fritsch-Familie, die ein großer bunter Wanderzirkus ist: feinste Lachmuskelartisten, die Herbert Fritsch über die Zeit an zig Stadttheatern aufgetan hat. Jetzt treten sie noch einmal zur Rampe vor, einzeln, hundert letzte Minuten...