Ravenhills Patenkinder
Krakau hat ähnlich viele Theater und Theaterchen wie Kirchen und Kapellen – und das will was heißen. Krakau hat aber auch – trotz Tadeusz Kantor und alledem – den Ruf einer kulturell konservativen Stadt; das Neue erwartet man eher aus Warschau oder Danzig. Beständigkeit ist eben ein unübersehbarer Wert zwischen jahrhundertealten Bürgerhäusern, der majestätischen Wawel-Burg und den Resten einer mittelalterlichen Stadtmauer.
So gesehen markiert das Krakowskie Reminiscencje Teatralne als Festival zeitgenössischer Theaterformen einen nicht unwichtigen Kontrapunkt zur deutlich auf Repräsentation angelegten traditionsreichen Theaterlandschaft der Stadt. Und steht gleichzeitig längst selbst für eine alles andere als selbstverständliche Beständigkeit: Seit dreißig Jahren bereits finden die «theatralischen Reminiszenzen» statt, die einst aus dem Geist des Studententheaters entstanden.
Politische Veränderungen der Jahre haben sich immer im Festivalprogramm gespiegelt – mal mehr als Opposition, mal mehr als Anpassung, oft im leidenschaftlichen Konflikt mit der Zensur, wie sich der Regisseur und langjährige Festivalmacher Krzysztof Lipski erinnert: Manchmal waren die Gruppen schon auf dem Weg ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ob so ein Medizinhalbgott überhaupt ahnt, was er mit einem einzigen, achtlos hingeworfenen Sätzchen alles anrichten kann? «Das können Sie ruhig nehmen», hat der nachträglich konsultierte bekannte Spezialist über das vom Allgemeinmediziner verordnete Medikament etwas wegwerfend gesagt. Und mit einem Schlag war dieses Mittel für den Patienten Adam Haberberg...
Wer Globalisierung verstehen will, muss dicke Bücher lesen. Da hilft nix. Kein arte, kein Internet und auch keine Spiegel-Dossiers. Denn mit dem vermeintlichen Wissen über die Globalisierung verhält es sich ganz ähnlich wie mit dem weit verbreiteten Glauben, das neudeutsche Adolf-TV würde den Nationalsozialismus erklären. Nachkolorierte NS-Dokus mit dramatischer...
Die disparaten Textfragmente der großen Potentaten der deutschen Geistesgeschichte (Novalis, Kleist, Fichte, Hegel und Heidegger), die Elfriede Jelinek in «Wolken.Heim» zu einem unheimlichen, zeit- und ortlosen Identitätsdiskurs verschmolzen hat, irritieren immer noch. Auch 17 Jahre nach der Uraufführung befremdet diese hymnisch nationalistische Selbstbeschwörung,...
