Regeln der Fernsehmenschlichkeit
Für Schauspielerinnen und Schauspieler ist die Nachrichtensprecherei vielleicht die größte Herausforderung unserer Tage. Zwischen kritischem Verfremdungseffekt und Einfühlungstheater liegt nur ein Hauch. Mit dem Lüpfen einer Augenbraue hat man die Seiten gewechselt. Und in was für einem Krieg – zwischen Kunst und Kitsch, Qualität und Quote, Vernunft und Wahn, Ober- und Unterschicht! Ein Kampf um die Herzen der Zuschauer, um die Köpfe schon lange nicht mehr.
Steffen Seibert ist der größte, der tollste, der unverfrorenste Schmierendarsteller auf der Nachrichtenbühne.
Keiner Kollegin, keinem Kollegen gelingt es, sich die verlesene Nachricht so gnadenlos untertan zu machen, sie so restlos dem eigenen Gefühlshaushalt einzuverleiben, sich mit ihr in den Tiefen des Sonnengeflechts zu vereinigen und als ein Respekt und Mitgefühl gebietendes Gekröse wieder abzugeben. An Seibert können junge Schauspieler lernen, wie man spielt, dass man fühlt. Mitfühlt. Immer. Wie man die Zuschauer mitnimmt. Ihnen das eigene Gefühl als das ihre aufzwingt, als hätten sie nie ein eigenes besessen.
Iraker werden in der Luft zerrissen, Reformen werden wieder nichts, was Steffen Seibert an sich alles nichts ...
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Ungefähr fünfzehn dürfte der Knabe sein, der in Claudius Lünstedts «Zugluft» so seine Probleme mit den lieben Eltern hat. Er lebt in einer Familie, die als Beleg der These fungiert, dass sich in deutschen Haushalten seit einiger Zeit ein Erziehungsvakuum ausbreitet, in dem vor allem zunehmend autoritätsresistente und gewaltbereite Jungen heranwachsen. Der...
