Rätselspiel Vergangenheit
Aimée hat was im Kopf, und das ist leider nicht nur die übliche Gehirnmasse. Mitten im Gewebe sitzt ein Knochen, um den sich ein fieser kleiner Tumor rankt. Deshalb hat sie auch immer mal wieder epileptische Anfälle mit Visionen eines Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Und deshalb stirbt sie, bevor ihre Tochter Loup erwachsen werden kann. Die muss nun als Initiation von Kanada in die Welt ziehen, um das Rätsel ihrer Familiengeschichte zu lösen.
Wajdi Mouawad, der frankokanadische Erfolgsautor libanesischer Herkunft, ist ein Meister der ganz großen Theatererzählung.
Antike Mythen, Bibelstoffe, Weltgeschichte und Zeitgenossenschaft verwebt er in poetischer Eigenwilligkeit zu monumentalen Familienepen. «Wälder» ist der dritte Teil seiner Tetralogie «Le Sang des Promesses», in der unter dem Signum von Versprechen immer wieder Nachgeborene zur Selbstfindung die Grausamkeiten der Vergangenheit aufdecken müssen. In «Wälder» erzählt Mouawad mit vielen Sprüngen, Flashbacks und Blitzlichtern eine monströse Abstammungsgeschichte, die bis ins 19. Jahrhundert reicht und nebenbei wichtige Stationen moderner europäischer Geschichte streift: den deutsch-französischen Krieg von 1871, die ...
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Sind die Frauen die «Guten» und die Männer die «Bösen»? Nach einer Vorstellung von Tom Lanoyes neuem Stück «Atropa» (ob die der deutschen Erstaufführung in Nürnberg oder die unmittelbar darauffolgende im Theater Konstanz) ist man nicht ganz abgeneigt zu sagen, dass es sich der Autor vielleicht doch etwas zu einfach gedacht und gemacht hat. Den Ur-Mythos von «der...
Martin Kusejs Wiener Inszenierung von Karl Schönherrs «Weibsteufel» war eine der erfolgreichsten Produktionen der Saison 2008/09. Die Aufführung wurde zum Theatertreffen eingeladen, das Ensemble wurde mit dem 3sat-Preis ausgezeichnet, Hauptdarstellerin Birgit Minichmayr in der Theater-heute-Umfrage zur «Schauspielerin des Jahres» gewählt.
Auch beim Publikum war...
Wer immer schon genauer wissen wollte, wo das gottverlassenste Ende der Welt wartet, die schlimmste Strafe der Verbannung, der hat jetzt eine konkrete Adresse: die kahle Betonwand von Saal C der Berliner Schaubühne, knapp über Kellerniveau. Dort unten im nackten Halbrund des Bühnenbauchs ist Prometheus mit schweren Ketten angeschmiedet, dort stöhnt und dröhnt Ernst...
