Rätselspiel Vergangenheit
Aimée hat was im Kopf, und das ist leider nicht nur die übliche Gehirnmasse. Mitten im Gewebe sitzt ein Knochen, um den sich ein fieser kleiner Tumor rankt. Deshalb hat sie auch immer mal wieder epileptische Anfälle mit Visionen eines Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Und deshalb stirbt sie, bevor ihre Tochter Loup erwachsen werden kann. Die muss nun als Initiation von Kanada in die Welt ziehen, um das Rätsel ihrer Familiengeschichte zu lösen.
Wajdi Mouawad, der frankokanadische Erfolgsautor libanesischer Herkunft, ist ein Meister der ganz großen Theatererzählung.
Antike Mythen, Bibelstoffe, Weltgeschichte und Zeitgenossenschaft verwebt er in poetischer Eigenwilligkeit zu monumentalen Familienepen. «Wälder» ist der dritte Teil seiner Tetralogie «Le Sang des Promesses», in der unter dem Signum von Versprechen immer wieder Nachgeborene zur Selbstfindung die Grausamkeiten der Vergangenheit aufdecken müssen. In «Wälder» erzählt Mouawad mit vielen Sprüngen, Flashbacks und Blitzlichtern eine monströse Abstammungsgeschichte, die bis ins 19. Jahrhundert reicht und nebenbei wichtige Stationen moderner europäischer Geschichte streift: den deutsch-französischen Krieg von 1871, die ...
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Die Renaissance, wie sie singt und lacht, mordet und hurt: Im Florenz des Jahres 1537 ist mit dem jungen Alessandro de’ Medici ein brutaler, genusssüchtiger Fürst an der Macht, vor dem keine Party und keine Jungfrau sicher ist. Sein Cousin Lorenzo, genannt Lorenzaccio, ist sein engster Vertrauter – und sein Mörder. Soweit der historische Hintergrund eines Stücks,...
Eine Inszenierung von Hebbels «Nibelungen»-Trilogie, die keine drei Stunden dauert, ist
selten. Die Fassung, die der österreichische Dramatiker und Regisseur Volker Schmidt für das Linzer Theater Phönix erstellt hat, ist aber nicht nur stark eingestrichen. Der Autor Schmidt hat Hebbels Verse zum Teil auch sprachlich bearbeitet, der Regisseur hat für das Stück ein...
Wer immer schon genauer wissen wollte, wo das gottverlassenste Ende der Welt wartet, die schlimmste Strafe der Verbannung, der hat jetzt eine konkrete Adresse: die kahle Betonwand von Saal C der Berliner Schaubühne, knapp über Kellerniveau. Dort unten im nackten Halbrund des Bühnenbauchs ist Prometheus mit schweren Ketten angeschmiedet, dort stöhnt und dröhnt Ernst...
