«Praktisch undurchführbar»
Was für ein wirklich eigenartiger Beruf ist das überhaupt: Theaterleitung? Er steckt voller kaum aufzulösender Widersprüche und ist mit einer Reihe von Zuschreibungen belastet: sehr hohen bis überhöhten Erwartungen, aber auch harter Kritik bis hin zu direkter Ablehnung. Natürlich sind Theaterleitungsprobleme nicht abgekoppelt von der Art des Betriebs und dessen zeitspezifischen Problemen zu denken.
Auch sind einzelne Intendant:innen immer kritisierbar und können im Zweifelsfall viel Unheil anrichten, und umgekehrt kann ein:e einzelne:r Intendant:in – oder auch ein Leitungsteam – nicht allein den ganzen Laden retten.
Dennoch oder besser deswegen lohnt ein Blick auf das Phänomen und Problem Intendanz als solches. Es handelt sich um einen frühen Managementberuf, ab Ende des 18. Jahrhunderts und dann wieder ab 1830 vor allem für aufstrebende, aber kaum künstlerisch ambitionierte Bürger (und ich verwende die männliche Form jeweils absichtlich), der heute oft mit Hybris und Machtmissbrauch in Verbindung gebracht wird, bis vor kurzem noch mit außergewöhnlicher Leistungs -stärke und herausragender Begabung, und der tatsächlich historisch mal größere, meist aber kleinere künstlerische ...
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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Knappheit - alles auf Kante, Seite 37
von Anna Volkland
Derzeit steht sie in Stuttgart in Shakespeares «Der Sturm» auf der Bühne: als Miranda, Tochter des Prospero, neben André Jung. Camille Dombrowsky, 26 Jahre alt, spielt Miranda als selbstbewusste, schlagfertige, emanzipierte junge Frau. Natürlich reißt sie dem heißbegehrten jungen Prinzen Ferdinand die Kleidung vom Leib – und nicht umgekehrt. Dombrowsky hat sich...
Seit Jahrhunderten verzichten Frauen*. Sie verzichten auf ihre Karrieren, auf ihr Essen, auf ihre Selbstbestimmung, ihr Geld, ihre Freiheiten, ihren Orgasmus. Sie verzichten, weil sie müssen, weil es ihnen von außen aufgetragen wird. Damit das Ungleichgewicht im Gleichgewicht bleibt. Damit das Patriarchat florieren und sich seine Säulen tiefer in die Erde...
Vieles fühlt sich für mich nicht wie «Verzicht» an, sondern eher wie eine Serie von Entscheidungen für ein stressfreieres und gesünderes Leben. «Verzicht» ist ein Wort, das vielen Menschen Angst macht. Die Diskussion um ein klimagerechteres Leben wird meist so geführt, als wäre unser Wohlstand und unser sorgenfreies Leben in Gefahr. Dabei verzichten wir schon heute...
