Nachhaltig mit Menschen umgehen
Seit Jahrhunderten verzichten Frauen*. Sie verzichten auf ihre Karrieren, auf ihr Essen, auf ihre Selbstbestimmung, ihr Geld, ihre Freiheiten, ihren Orgasmus. Sie verzichten, weil sie müssen, weil es ihnen von außen aufgetragen wird. Damit das Ungleichgewicht im Gleichgewicht bleibt. Damit das Patriarchat florieren und sich seine Säulen tiefer in die Erde reinbohren können, verzichten Frauen*, verzeihen Frauen*.
Sie konsumieren weniger Fleisch, fliegen seltener und gehen öfter protestieren – dass sich mehr Frauen* für das Klima engagieren und den Klimawandel seltener leugnen als Männer, ist statistisch längst bewiesen. Frauen* leisten unbezahlte Care-Arbeit zu Hause und am Arbeitsplatz.
Sehr gerne und gut verzichte ich auf Mansplaining und das gesamte Spektrum des patriarchalen Ver -haltens vor, auf und während der Probe. Ich verzichte auf die cisheteronormative Ordnung, die perpetuierend in meine Lebens- und Arbeitsweise intervenieren möchte. Ich verzichte auf die ganze Gewalt gegen alle Körper auf der Bühne – inszeniert oder strukturell bedingt. Nachhaltig mit Ressourcen umzugehen, heißt auch nachhaltig mit Menschen umzugehen, so haben Rassismus und Sexismus eine große ...
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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Verzicht, Seite 58
von Pinar Karabulut
Eine Einladung, in Erinnerungen zu schwelgen», verspricht die spiralgebundene Drei-Kilo-Chronik «Kampf ums Paradies», die sich das Deutsche Theater zum Ende der Ära Khuon geschenkt hat. Tatsächlich sind hier nicht nur die 384 Premieren verzeichnet, die die Riesenmaschine Deutsches Theater in 14 Spielzeiten – das sind im Schnitt 27,5 Premieren pro Saison –...
Die Gier nach Leben, die Gier nach Liebe, Selbstzerstörung, sich einer Welt des Sanften und des Gewaltvollen auszusetzen, der Wärme und der Kälte – Sarah Kanes «Gier» umkreist in vielen Stimmen eine Leerstelle: das Ich. In Christopher Rüpings Zürcher Inszenierung repräsentiert die Projektion von Wiebke Mollenhauers Gesicht diese Leerstelle und verschiebt sie auf...
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