Nachhaltig mit Menschen umgehen
Seit Jahrhunderten verzichten Frauen*. Sie verzichten auf ihre Karrieren, auf ihr Essen, auf ihre Selbstbestimmung, ihr Geld, ihre Freiheiten, ihren Orgasmus. Sie verzichten, weil sie müssen, weil es ihnen von außen aufgetragen wird. Damit das Ungleichgewicht im Gleichgewicht bleibt. Damit das Patriarchat florieren und sich seine Säulen tiefer in die Erde reinbohren können, verzichten Frauen*, verzeihen Frauen*.
Sie konsumieren weniger Fleisch, fliegen seltener und gehen öfter protestieren – dass sich mehr Frauen* für das Klima engagieren und den Klimawandel seltener leugnen als Männer, ist statistisch längst bewiesen. Frauen* leisten unbezahlte Care-Arbeit zu Hause und am Arbeitsplatz.
Sehr gerne und gut verzichte ich auf Mansplaining und das gesamte Spektrum des patriarchalen Ver -haltens vor, auf und während der Probe. Ich verzichte auf die cisheteronormative Ordnung, die perpetuierend in meine Lebens- und Arbeitsweise intervenieren möchte. Ich verzichte auf die ganze Gewalt gegen alle Körper auf der Bühne – inszeniert oder strukturell bedingt. Nachhaltig mit Ressourcen umzugehen, heißt auch nachhaltig mit Menschen umzugehen, so haben Rassismus und Sexismus eine große ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Verzicht, Seite 58
von Pinar Karabulut
Karin Cerny Florentina, wie ist es dir beim Apnoetauchen ergangen?
Forentina Holzinger Wir haben für «Ophelia’s Got Talent» statische Apnoe trainiert. Ich habe einen niedrigen Blutdruck, deshalb ist es mir von Anfang an leichtgefallen, mich zu entspannen und das System runterzufahren.
Cerny Man würde annehmen, du wärst der energetische Typ.
Holzinger Ich bin ein...
Ein Lieblingssatz meiner Großmutter (Jahrgang 1923) war: «Besitz belastet.» Ein Gefühl, das jeder kennt, der in übervolle Kleiderschränke schaut oder sein Auto reparieren lassen muss. Freilich hatte meine Großmutter keine konsumkritische Haltung im Sinne, noch dachte sie an den gigantischen Ressourcenverbrauch im Dienste unserer heutigen Produktpaletten, die uns...
Es geht um viele erste Male in Leonie Lorena Wyss’ Stück «Blaupause»: die erste Menstruation. Die erste Zigarette. Die erste Masturbation. Das erste Mal in einem Film sehen, wie sich zwei Frauen küssen, und das erste Mal die Farbe Blau entdecken. Und fast ganz am Ende, da geht es darum, das erste Mal laut einen Satz auszusprechen: «Ich habe eine Freundin.» Bis zu...
