«Noch ein Weinchen, noch ein Zigarettchen»

Der zeitgenössische Tanz sucht nach sich selbst und muss sich nach Pina Bauschs Tod langsam neu definieren. Grund genug, den Schwerpunkt der aktuellen «Theater heute»-Ausgabe dem Tanztheater zu widmen. Tanzkritikerin Wiebke Hüster unternimmt einen Streifzug durch die aktuelle Szene, versucht eine Standortbestimmung und definiert eine klare Richtung.

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(...) Das Tanztheater Deutschlands steht unter Schock. Erst jetzt, da Pina Bausch tot ist, schaut sich der Betrieb um und merkt, dass es keine Nachfolger gibt für sie, nicht einen. Über das Weiterleben ihrer Stücke auf der Bühne dachte sie nach, ohne zu einer Entscheidung gelangt zu sein vor ihrem Tod.

Wer soll nun welche Werke ohne sie alleinverantwortlich einstudieren, und kann man diese Vorstellungen als gewöhnliche Wiederaufnahmen betrachten wie zu ihren Lebzeiten? Wird das vielmehr nicht zwangsläufig ein anderes Stück? Oder muss man umgekehrt diese Fragen akademisch nennen, solange noch irgendein Tänzer auf der Bühne steht und Hackfleisch auf einem Bügeleisen brät wie einst Jan Minarek, der heute in seiner Heimat Trecker fährt und sich nicht mehr schert, was seinen Bühnenfiguren von seinen Nachfolgern widerfährt? 


Das Tanztheater an deutschen Bühnen hat seine historischen Bedingungen – Emanzipation, ‘68, Weltkulturumarmung – verloren, und selbst die erweiterten Zulassungskonditionen für die postpostmodernen Epigonen wie Meg Stuart sind weggefallen. Stuart ließ in Zürich und an der Berliner Volksbühne nur noch Schütteln und Zittern, Rennen, Zusammenknallen und Hinfallen zu und ...

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Theater heute Februar 2010
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 4
von Wiebke Hüster

Vergriffen
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