Nichts Besseres als der Tod
Der traurigste Satz in Dea Lohers an verzweifelten Ausrufen, hilflosem Geplapper, mutlosem Verstummen und endgültigen «letzten Worten» so reichem Stück «Unschuld» steht ganz am Ende: «Ich wäre gerne ein Rettungsschwimmer», sagt der illegale Immigrant Elisio. Aber da ist ja längst niemand mehr da, der sich wirklich helfen lassen würde: All die seltsamen Wesen in der fremden Welt, denen er begegnet ist oder die am Rand seiner wackligen Existenz ihre eigene über allerletzte Runden bringen wollten, haben mit dem Leben und mit der Hoffnung abgeschlossen.
Fadoul muss selbst das blinde Mädchen Absolut, das sich doch noch gegen das Sehen entschieden hat, ziehen lassen, zurück in die Bar «Zum Blauen Planeten», wo sie wieder begafft werden wird als groteske Stripperin mit den toten Augen. Und die rätselhafte Rothaarige, mit deren Freitod Elisios Zweifel an der neuen, verheißungsvollen Wirklichkeit begannen, steht wieder am Strand, entkleidet sich langsam und geht nochmal ins Meer, das wie eine schöne, sichere Verlockung erscheint. Der Kreis der alltäglichen Hölle schließt sich – schlechte Zeiten für Hilfsbereite.
«Unschuld», wie es Georg Schmiedtleitner am Nürnberger Schauspiel inszeniert, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Berlin hat ihr kein Glück gebracht: im Theater. Da hatte Bernd Wilms für den Neustart am Deutschen Theater unter anderem Anika Mauer aus Bremen weg engagiert: ein Missverständnis, allerbestenfalls. Zuvor umschwärmt und von allen und jedem im Bremer Haus gepflegt als existenzielle, hingebungsvolle Protagonistin für Konstanze Lauterbach und Thomas Bischoff, als...
Ein Biomediziner, der Frau und Kind Schweineherzen einpflanzt, um sich dereinst zum Retter der geklonten Menschheit auszurufen. Ein Terrorist, der ahnungslosen Hotelbettinsassen eine fette Knarre an den schlaftrunkenen Schädel drückt, um sich mal wieder wild und frei zu fühlen. Zwei Schauspieler, die dazu neigen, sprunghaft aus der Rolle zu fallen, um sich an...
Menschen rennen durch die Nacht. Erst waren nur ein paar Spaziergänger in Laufschritt gefallen, dann schwoll das Läufertrüppchen zum Rudel an. Jetzt dröhnt und knarrt der Bühnenboden unter den polternden Tritten der Turnschuhe und Badelatschen. Stumm wälzt sich die Herde, vielleicht auf der Flucht, vielleicht auf der Jagd, Runde um Runde über die «Ebene von...
