Mensch werden
Es passiert selten, dass eine Theaterfigur sich tief einbrennt in die Erinnerung. Dass sie binnen einer Aufführung ganz und gar Mensch zu werden scheint. Ehrlich, unverstellt und durch und durch. Voller Schmerz und voller Scham und ganz ohne Kitsch. Moritz Kienemann ist das gelungen. In seiner Darstellung der, oder besser in seinem Werden zur Figur des Eugen Hinkemann in der Inszenierung von Anne Lenk am Deutschen Theater Berlin. Wie Kienemann das gelingt, ist schwer zu beschreiben.
Dieser Darsteller, der kraftvoll ist und zerbrechlich, der ein Kerl ist «wie ein Baum!», wie es in «Hinkemanns» dramatischem Vorgänger «Woyzeck» über den Tambourmajor heißt. Hinkemann, so beschreibt Ernst Toller seine titelgebende Hauptfigur, «war ein Kerl wie aus Stahl». War.
Aus dem Krieg hat er keine offensichtlichen Verletzungen mitgebracht, keine fehlenden Arme oder Beine. Mit einem Schuss in die Genitalien kehrt dieser Kerl vom Schlachtfeld zu seiner Frau Grete zurück, ohne Potenz, ohne Zeugungskraft und damit ohne Zukunftsversprechen an sie. So steht Moritz Kienemanns Hinkemann zwar mit beiden Beinen auf der Erde und mimt auf dem Jahrmarkt sogar den Inbegriff des kraftstrotzenden deutschen ...
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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Höhepunkte der Spielzeit, Seite 14
von Katrin Ullmann
Als Dorothy in «Der Zauberer von Oz» aus dem Schlaf erwacht, findet sie sich im magischen Land Oz wieder. Die Hauptfigur in Akın Emanuel Sipals Stück aber kann gar nicht erst einschlafen. Mesut Özil, mit Mitte 30 frühverrenteter Fußballer, ist schlaflos. Das Wenige, was aus seinem (Privat-)Leben bekannt ist, und vor allem das viele, das nicht bekannt ist, eignet...
1 Stück
2 Inszenierung, Performance/Dramaturgie
3 Bühnenbild, Video, Kostüme
4 Schauspielerin
5 Schauspieler
6 Gesamtleistung eines Theaters
7 Beste:r Nachwuchskünstler:in
8 Ärgerlichste Erfahrung des Jahres
Margarete Affenzeller
«Der Standard», Wien
1 Eve Leigh «Verbranntes Land (Salty Irina)»
2 Regie/Choreografie: Florentina Holzinger und Dramaturgie: Felix...
Eines muss Julia Riedler gleich zu Beginn klarstellen: «Wir haben das gar nicht überschrieben!», protestiert sie. «Null. Nur die letzten zwei Seiten sind neu geschrieben. Sonst ist alles Schnitzler.»
In München, wo die Schauspielerin nach ihrer Kündi -gung an den Kammerspielen 2020 nie ganz weggezogen ist, treffen wir uns, um über «Fräulein Else» zu reden. Das Solo...
