Mehr Weniger wagen
Prosperunda, die auf eine Insel verbannte Ex-Herzogin von Mailand, hasst ihren Namen und nennt sich lieber Pros. Dass man da auch «Boss» verstehen kann, ist das eine. Man fragt sich aber auch, wo liegt das Problem? Da darf einer der interessantesten Protagonisten der abendländischen Theaterliteratur endlich eine Frau sein – aber plötzlich stellt sich heraus, dass die Figur nach erfolgter Geschlechtsumwandlung ihren neuen Namen doof findet. Das halbstarke Gemotze zeigt allerdings nicht nur, dass Theaterfi -guren im Fall von übergriffigen Namensänderungen Ärger machen können.
Die dafür verantwortliche Autorin legt in ihrer Neubearbeitung von «Der Sturm» auch Wert darauf, dass die ehemaligen und aktuellen Machthaber in Shakespeares Alterswerk auch als Frau so machistisch orientiert sind, wie das ansonsten nur Männern zugeschrieben wird. Eine der Folgen: Die Inselfürstin muss damit zurecht kommen, dass ihr aus der klassischen Vorlage ein auf Buchwissen und Zauberkunst basierender Machtanspruch zuwächst, der schon sehr früh die Geisteshaltung beschrieben hat, mit der europäische Usurpatoren die Welt kolonialisierten. Mit im Spiel war auch die oberste Dienstherrin des damaligen Autors, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2025
Rubrik: Neustart Karlsruhe, Seite 40
von Jürgen Berger
Die Gegenwart liefert. Dramatisches Material, so weit das Auge reicht: Eben noch wurde der mittlerweile vorbestrafte Donald Trump erneut zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt, jetzt spricht sein neuer Buddy und künftiger Schleifer demokratischer Institutio -nen, zufällig der reichste Mann der Welt, Wahlempfehlungen für die AfD aus; steuert...
Das Stück kann aufgrund seines Layouts nicht im Browser dargestellt werden.
Abonnenten können es elektronisch im E-Paper oder in unserer App lesen. Oder wenden Sie sich für ein PDF an die Redaktion.
«Dass die Miliz sich einschifft nach Batavia, den eingebornen Kön’gen dort (...) Raub zum Heil der Haager Krämer abzujagen.»
Diesen Satz von Kleist muss man verstanden haben, will man Philipp Preuss’ Inszenierung des «Zerbrochnen Krugs» im Theater an der Ruhr verstehen. Aber er kommt erst ganz am Schluss. Also rätselt man herum, warum in der altbekannten Geschichte...
