Emoticon des Teufels
Es gibt sie ja, diese Stoffe, die man glaubt, zur Genüge gesehen zu haben. «Faust. Der Tragödie erster Teil» wäre da so ein Beispiel. Aber kann man sich wirklich an diesem Stoff sattsehen? Der benachbarte Zuschauer im Saal des Deutschen Nationaltheater Weimar hat immerhin schon vier Inszenierungen des Klassikers gesehen. Die von Regisseur Jan Neumann, da ist er sich schon in der Pause des dreistündigen Stückes sicher, wird die Menge jubeln lassen.
Über dem kräftigen schönen Baum auf der Bühne hängt ein in Seile geschnürter Stein und droht sein Leben auszulöschen.
Und spiegelt damit die Gefahr, die über der Faustschen Tragödie schwebt. Gerade durchlebt der alte Faust eine Sinnkrise, hat nun ach! Philosophie, Ju -risterei und Medizin studiert, und doch mag nichts so richtig von Bedeutung sein. Das junge Ich, das mit seinem athletischen Körper in großen Kreisen um ihn herumrennt, erinnert ihn schmerzlich an die Vergänglichkeit. Doch dann kommt der doppelköpfige Teufel zum Vorschein, mit dessen Hilfe er seinem Leiden ein Ende zu bereiten glaubt.
Jan Neumann setzt in dieser Inszenierung auf eine Doppelbesetzung nicht nur für Faust, gespielt von Sebastian Kowski, der sich, um Margarethe ...
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Theater heute Februar 2025
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Anna Hoffmeister
Beseelt lächelnd lässt er sich die Schlinge um den Hals legen: Dietrich Bonhoeffer, der Erlöser. Dann wird es schwarz. Die Zahl der von den Nazis ermordeten Juden wird aufgerufen, dann kommen Aufrufe zum Widerstand gegen Antisemitismus, der 2023 mehr Applaus fand als je zuvor seit Beginn der Zählungen 1979: «As Dietrich said: Silence in the face of evil is itself...
Zu den besten Szenen von «Echtzeitalter» gehört jene, in der ein paar Schüler in der großen Pause verbotenerweise das Schulgelände verlassen. Sie haben ihr Exemplar der Stifter-Erzählung «Brigitta» zu Hause vergessen und wollen in einer nahe gelegenen Buchhandlung Ersatz besorgen. Alles läuft nach Plan, vor Ort aber müssen sie zu ihrem Entsetzen feststellen, dass...
Langsam kommt sie in Fahrt, die neue Direktion Stefan Bachmann an der Burg. Und «langsam», das bedeutet auch, dass sie mit Inszenierungen punktet, die sich Zeit nehmen. «Nur ned hudeln», heißt es in Wien, nichts überstürzen. Mit dieser Devise fahren beide ausgezeichnet: die slowenische Regisseurin Mateja Koležnik, die sich im Akademietheater Nikolai Gogols...
