Liebe als Qual
«Ach!» bringt am Ende alles auf den Punkt; vereint das Verlangen und den Schmerz über das Trauerspiel der Penthesilea. Denn die vielen Worte, die sie bemüht hat, können ihr den geliebten Achill am Ende ja doch nicht zurückbringen. Gleich in sechsfacher Ausführung wird die Amazonenkönigin bei Alice Buddeberg am Schauspiel Magdeburg angelegt. Als Kollektiv vervielfachen sich die widersprüchlichen Gefühle ihres Liebestaumels. Die halbkreisförmige Rampe deutet auf eine menschheitsumfassende Sehnsucht nach der besseren Hälfte.
Diese Sehnsucht wird von Buddeberg jugendlich-frech inszeniert: In knalligen Gewändern versammeln sich die Amazonen wie eine Gang, die ihre Königin wie selbstverständlich unterstützt und liebevoll wegen ihrer Vernarrtheit aufzieht. Immer wieder treten sie aber auch aus ihrer Rolle heraus, reflektieren ihre Position, indem sie sich gegenseitig ihren Platz zuweisen oder fragen: «Ich habe dich nicht richtig verstanden, kannst du das wiederholen?» Humorvoll wird die scheinbar schicksalhafte Liebes -geschichte dadurch immer wieder infrage gestellt und kommentiert. Zum Beispiel wenn Michael Ruchter dem Publikum als Amazone einen Vortrag hält, der Mann sei eigentlich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2026
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Anna Hoffmeister
Theater ist – bestenfalls – eine Kunst, Journalismus ein Informationssystem. Wie kommen beide zusammen? Kay Voges hat «Theater und Journalismus» zum Schwerpunkt seiner ersten Spielzeit in Köln gemacht. Die ersten vier Produktionen unter diesem Label zeigen, welche unterschiedlichen Mischungsverhältnisse die zwei Bestandteile eingehen können.
Noch vor dem...
Jung und alt ist immer ein schöner Gegensatz: TikTok-süchtige Medienzombies versus Wählscheibentelefonen hinterhertrauernde Untote, wobei beide Seiten den Respekt gegenüber der jeweils anderen oft vermissen lassen. Die Regisseurin und Autorin Karen Breece hat in einem Rechercheprojekt mit jungen alten Leipziger:innen am Theater der Jungen Welt diesen Gegensatz...
Der griechische Begriff «Porneia» bezeichnet in der Bibel Unzucht und sexuelle Unmoral – Prostitution, Homosexualität, Sex vor der Ehe. Der biblische Kontext allerdings spielt in Golda Bartons Komödie kaum eine Rolle – es geht um die antiken Göttinnen Demeter, Aphrodite und Athene, und die leben bekanntermaßen eine pragmatische, sinnesfrohe Haltung zur Sexualität....
