Leipzig: Digital ist nicht besser
«Ein Drama in virtuellen und realen Räumen», so ist Volker Schmidts neuer Theatertext «Eigentlich schön» untertitelt. Darin geht es um die recht banale Geschichte einiger urbaner Menschen zwischen Mitte 20 und Mitte 30, von denen die einen mit den anderen zusammen sind und mit noch anderen fremdgehen. Ein Stück also um Liebe, Sex, Beziehung, Freundschaft, Lebensentwürfe und dergleichen mehr.
Die Handlung könnte genau so auch in jeder x-beliebigen Seifenoper oder Scripted-Reality-Show stattfinden, aber weil’s Theater ist, sind auch hier und da scheinbar tiefschürfende philosophische Versatzstücke eingepflegt.
Einen Reiz macht immerhin der Wechsel der Medienebenen aus: Da wird gechattet, gefacebookt, geskypt, telefoniert oder eine Abschiedsmessage per YouTube-Video präsentiert. Entsprechend konzentriert sind die Textstücke, lässt doch ein Denken im Twitter-Rhythmus nicht mehr als 140 Zeilen pro Sprechteil zu. Dabei dominieren die virtuellen Räume bei Schmidt klar, aber die große Dramatik findet schließlich doch da statt, wo die virtuellen Fäden im realen Raum verknüpft werden.
Am Schauspiel Leipzig hat sich Bruno Cathomas zusammen mit den sechs Schauspielstudenten des Leipziger ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Torben Ibs
Unerträglich lange Umarmung
Aus dem Russischen von Stefan Schmidtke
Die physikalischen Gesetze haben für alle Beobachter, die sich mit konstanter Geschwindigkeit bewegen, also keiner Beschleunigung unterliegen, dieselbe Gestalt.
Relativitätsprinzip der speziellen Relativitätstheorie, Albert Einstein
Siehst du den blauen Punkt, mein Sohn? Geh da hinein.
...
Nein, dieser Weg ist nicht das Ziel. Eher das Gegenteil, ein zugiger Durchgangsort, an dem jeder, der hier gestrandet ist, so schnell wie möglich weiter will. Man kann das als handfeste Gesellschaftskritik zum Thema Flüchtlingspolitik verstehen oder auch eher poetisch-prinzipiell. «Camino Real», so der Titel von Tennessee Williams’ surrealer Szenenfolge, ist der...
Zunächst einmal konnte sich der Gesprächsgegenstand ordentlich auf die Schulter klopfen: Kaum ein Zuschauer, der zur Diskussionsveranstaltung «Die Publikumsmaschine» in der Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg erschienen war, dürfte sich je ein derart spektakuläres Bild von sich selbst gemacht haben, wie es – befragt von der Radiomoderatorin Anja Caspary –...
