Labor der Partizipation
Dies ist meine erste Fahrt auf einem richtigen Motorrad. Ich sitze hinter Thomas, einem selbständigen Heizungsinstallateur aus Bitterfeld, auf seiner Honda, und mir wird etwas mulmig, als er auf der Landstraße zwischen Wolfen und Raguhn kurz auf 90 km/h beschleunigt und mir der Fahrtwind den nicht sehr gut sitzenden Leih-Helm nach hinten schiebt.
Mit der einen Hand greife ich mir an den Kopf, mit der anderen halte ich mich an Thomas fest, den ich gerade erst kennengelernt habe – kurz nachdem Festivalleiter Aljoscha Begrich, klatschnass und in Badehose, mir begeistert zugerufen hat: «Das ist die Performance des Monats!»
«Du fährst eine Linie» heißt die Motorradperformance des Spaniers Lisandro Rodriguez, in der es um Vertrauen geht – und das wird gleich mehrfach auf die Probe gestellt. Zusammengebracht werden Besucher des Osten Festivals, das dieses Jahr seinen Schwerpunkt in der ehemaligen Filmproduktionshochburg Wolfen hat, und freiwillige Motorradfahrer aus der Region, die Lust haben, mit einer Festival-Besucherin eine Tour in die Umgebung zu machen. Lisandro hat ein paar Regeln aufgestellt; die Route wählt der Fahrer frei. In Altjeßnitz halten wir am idyllischen Dorfteich. ...
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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Festivals, Seite 22
von Eva Behrendt
Glitter aus Eukalyptus, Kreuzstromwärmetauscher, Workshops zu Afro-Haar und der «Handbook-First»-Ansatz. Was hat das mit Theater zu tun? Es hat mit Digitalisierung, Diversität und Nachhaltigkeit zu tun, den drei Hauptthemen, die sich unter dem Stichwort «Transformation» versammeln. Längst hat dieser Begriff die Kulturinstitutionen erreicht. Schließlich...
Der Anfang war holprig, das Ende glanzvoll. Die Eröffnungsinszenierung der Intendanz Stefan Bachmanns in Köln war: «Der nackte Wahnsinn», wirklich. Michael Frayns parodistische Vignette über den Theateralltag wurde 2013 auf der 27-Meter-Bühne in der leeren Fabrikhalle in Köln-Mülheim zum Breitwandformat aufgeblasen, als wollte man Orson Welles’ «Citizen Kane» in...
Wir leben», beginnt Elfriede Jelineks Text «Die Schutzbefohlenen – Was danach geschah (2024)». «Hauptsache, wir leben, und viel mehr ist es auch nicht nach Verlassen der heiligen Heimat.» Dass diese Sätze bei Johan Simons, der den vergleichsweise schlanken 39-Seiter der Literaturnobelpreisträgerin am Schauspielhaus Bochum zur Uraufführung gebracht hat, gleichzeitig...
