Frankfurt: Schicksal oder Altersvorsorge?

Tony Kushner «Willkommen in Deutschland» (DE)

Theater heute - Logo

Wie die Zeit doch selbst den Klang der Namen verändert! Als das Stück «A bright room called day» 1985 in New York uraufgeführt wurde, da klang Kushner, der Name des Autors, politisch, aufgeklärt, demokratisch. Man dachte an New York, jüdisch-intellektuelles Milieu, Widerstand gegen die Regierungsmacht. Wenn nun, dreißig Jahre später, das Stück unter dem anspielungsarmen Titel «Willkommen in Deutschland» auf der Bühne der Frankfurter Kammerspiele seine deutschsprachige Erstaufführung erlebt, dann denkt man bei dem Namen Kushner immer noch an New York.

Aber jetzt an gewaltige Immobiliengeschäfte, an machtbewusste Heiratspolitik und an jene digitalen Kommunikationsstrategien, mit denen Kushner II, Jared, für seinen Schwiegervater wohl die Präsidentschaftswahlen gewonnen hat.

Damals, als Kushner I, Tony, sein Theaterstück geschrieben hatte, war Ronald Reagan an die Macht gekommen. Kushner benutzte die Folie der endenden Weimarer Republik und des beginnenden Nationalsozialismus, um Mechanismen der Machtübernahme, des Widerstands, der Verdrängung, der Hilflosigkeit zu untersuchen. Und natürlich als Warnung. Wenn nun dieser Text angesichts des globalen Aufschwungs ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2017
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Peter Michalzik

Weitere Beiträge
Alternative Fakten, Reality Checks und Wahrnehmungs­verschiebungen

1979 wurde Peter Shaffers «Amadeus» auf der großen Olivier Büh­ne des National Theatre aus der Taufe gehoben. Der fiktionale Kampf um die Gunst von Joseph II. zwischen dem Wie­ner Hofkomponist Salieri und Wunderkind Mozart wanderte von hier ins West End und zum Broadway und sahnte schließ­lich als Film acht Oscars ab. Über 30 Jahre später inszeniert Michael...

Theaterstrukturdebatte: Der Qualitätsoptimierer

Alle kennen seit über 20 Jahren das große Theaterkrisenszenario: Eine überforderte Kulturpolitik sorgt bei angespannten kommunalen Haushalten unter abnehmender öffentlicher Theaterbegeisterung für hohen Spardruck, der durch immer mehr Produktionen ausgeglichen werden soll und spätestens dann in die strukturelle Unterfinanzierung mündet, wenn über Jahre...

Essen: Göttliches Walten?

Die Geschichte, in die Yamila Hanna Bach während ihrer Forschungsreise im Nahen Osten gerät, ist wirklich sehr merkwürdig. Die deutsche Mikrobiologin wird in Martina Clavadetschers Siegerstück der 4. Essener Autorentage «Stück auf!» nämlich gegen ihren Willen zur Protagonistin einer bizarren Neuerzählung der biblischen Parabel von Lot. Eigentlich wollte sie nur...