Klassiker: Anatomie Büchner
Büchner, der Aktivist, Büchner, der Historiker, Büchner, der Dramatiker – kaum ein Werk ist so oft und gerne Anlass für Befragungen und künstlerische Untersuchungen wie das des jung gestorbenen Riedstädters. Aus Anlass des 200.
Jahrestags der Hinrichtung des realen Johann Christoph Woyzecks auf dem Leipziger Markt veranstaltete die dort beheimatete Schaubühne Lindenfels ein einjähriges Büchner-Projekt mit künstlerischem Re-Enactment der Hinrichtung, site-specific Performances im Naturkundemuseum und in der letzten DDR-Hinrichtungsstätte, sowie dem «Fragment Festival Büchner» inklusive Symposium der Leipziger Theaterwissenschaft als krönendem Abschluss im Mai und Juni diesen Jahres.
Den Start des Festivals machte eine Eigenproduktion der Schaubühne Lindenfels und seines Schau-Ensembles unter der Regie von René Reinhardt. Er unterzieht Büchners Werk einer Art Obduktion, um eine Anatomie der verstreuten Themenfäden zu erstellen und neu zu verknoten. Auf vier edelstahlglänzenden Tische wie in einem anatomischen Institut beginnen gewissermaßen Büchners Leichen miteinander zu sprechen: Sätze aus dem «Hessischen Landboten» wandern neben Danton, und Dantons Hure verschmilzt mit Woyzecks ...
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Theater heute Juli 2018
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Torben Ibs
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