Die Schauspielerei des 21. Jahrhunderts
Geschlagene zwei Stunden, wie er nicht müde wurde zu betonen, hat sich der international vielbeschäftigte Regisseur und NT-Gent-Intendant Milo Rau Zeit genommen, um im Bordbistro eines ICE auf dem Weg zur Kerr-Preisverleihung am letzten Tag des Theatertreffens eine Jahrhundertfrage zu beantworten: Was unterscheidet die Schauspielkunst des 21. Jahrhunderts von dem des Vorgänger-Jahrhunderts?
Zur Klärung des nicht gerade kleinen Problems erinnert sich Rau an den Besuch einer «Drei Schwestern»-Inszenierung am St.
Gallener Theater Ende der 90er, der ihn als Schüler nachhaltig traumatisiert haben muss. Die Sache hört sich in Raus Darstellung tatsächlich trist an: «Die Schauspielerinnen, sicher ganz gut, rannten um Birken herum, ab und zu spielte jemand Gitarre, eine Schauspielerin übergab sich, eine andere schredderte im dritten Akt eine Birke, die dritte zog sich etwa gleichzeitig aus, und sie sprachen halb zueinander und halb zum Publikum, also eigentlich zu niemandem.» Der sicher denkwürdige Abend umfasst für den Redner die «Schauspielkunst des 20. Jahrhunderts»: «Die totale Dekonstruktion der Klassiker, der aufgesetzte Spaß und der aufgesetzte Terror nach Stundenplan, die über die ...
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Theater heute Juli 2018
Rubrik: Preisrede, Seite 63
von Franz Wille
Am Anfang war der Schaumstoff. Acht Köpfe – große, kleine, eckige, breite, zerknautschte, tierische, humanoide – linsen hinten über die schräg nach vorn gekippte Spielfläche und skandieren Schöpfungssätze aus der Genesis. Zwischendurch gucken sie sich an, kommentieren das Gesagte, kichern zu den selbstgeklopften Grantlsprüchen wie Waldorf und Statler aus der...
Wer ist Rieke? Unter dieser unausgesprochenenen Überschrift steht «Verzicht auf zusätzliche Beleuchtung», das neue Stück von Oliver Bukowski, das in der Regie von Stephan Rottkamp bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen als Koproduktion mit dem Deutschen Nationaltheater zur Uraufführung kam. Wer ist also diese Rieke?
Eine erste Antwort liefert Kathrin Frosch mit...
Es beginnt mit einem Lächeln. Mit einem von dieser beiläufigen, fast privaten Sorte, wenn Schauspieler anzeigen wollen, dass sie ihre Sache locker angehen. Und es ist auch ein Bild, das Ironie verträgt: wie Sarah Franke als Hedda Gabler da auf einem schwarzen Schwan hereingeschoben wird, wie ein Lohengrin-Zitat. Dafür also ein Lohengrienen. Und auch für den...
