Die Schauspielerei des 21. Jahrhunderts

Milo Rau hält eine Pfingstmontagsrede in Berlin und entgleist

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Geschlagene zwei Stunden, wie er nicht müde wurde zu betonen, hat sich der international vielbeschäftigte Regisseur und NT-Gent-Intendant Milo Rau Zeit genommen, um im Bordbistro eines ICE auf dem Weg zur Kerr-Preisverleihung am letzten Tag des Theatertreffens eine Jahrhundertfrage zu beantworten: Was unterscheidet die Schauspielkunst des 21. Jahrhunderts von dem des Vorgänger-Jahrhunderts?

Zur Klärung des nicht gerade kleinen Problems erinnert sich Rau an den Besuch einer «Drei Schwestern»-Inszenierung am St.

Gallener Theater Ende der 90er, der ihn als Schüler nachhaltig traumatisiert haben muss. Die Sache hört sich in Raus Darstellung tatsächlich trist an: «Die Schauspielerinnen, sicher ganz gut, rannten um Birken herum, ab und zu spielte jemand Gitarre, eine Schauspielerin übergab sich, eine andere schredderte im dritten Akt eine Birke, die dritte zog sich etwa gleichzeitig aus, und sie sprachen halb zuein­ander und halb zum Publikum, also eigentlich zu niemandem.» Der sicher denkwürdige Abend umfasst für den Redner die «Schauspielkunst des 20. Jahrhunderts»: «Die totale Dekonstruktion der Klassiker, der aufgesetzte Spaß und der aufgesetzte Terror nach Stundenplan, die über die ...

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Theater heute Juli 2018
Rubrik: Preisrede, Seite 63
von Franz Wille

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