Kino

Schuld und Sühne In Lars Hennings Dark Movie «Zwischen den Jahren» ist Peter Kurth wieder der zarte Brutalo

Nein, der Bühnen-Kurth, in letzter Zeit in Stuttgart etwa der weise Nathan oder der Handlungsreisende Willy Loman, ist untätowiert. Der Film-Peter ist es umso mehr. Sein massiger Körper ist eine große Spielfläche für Körpergrafiker, und Gezeichnete sind im Kino mittlerweile so etwas wie Peter Kurths Rollenprofil geworden.

Wuchs ihm 2015 in «Die Kleinen und die Bösen», wo Kurth einen tobsüchtigen Knastbruder spielte, erst ein kleines Röslein am Oberarm, war er als Herbert, dem an ALS erkrankten Ex-Boxer, der ihm den letztjährigen Filmpreis als bester Hauptdarsteller einbrachte, schon bis zur Halskrause graviert (s. TH 2/16). In «Zwischen den Jahren», dem düsteren Genre-Film von Lars Henning, wuchern die Tattoos bis zum Kinn hoch, wie eine Rüstung, in der sich Becker, der nach 15 Jahren aus dem Knast entlassen wurde, verpanzert.
Der Film beginnt mit einem Gebet: «Vergib uns unsere Schuld», fleht Becker, während die Kamera ihm und den Zeichnungen auf seinem Körper sehr nahe kommt. «Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vegeben unseren Schuldigern» – das ist das Thema dieses dunklen Films. Becker ist ein Mörder; während eines aus dem Ruder geratenen Einbruchs hat der harte Junge eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2017
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Barbara Burckhardt

Weitere Beiträge
Fraupower

Jetzt seid Ihr schon vier Frauen in der Jury und schafft es nicht, mehr als eine Regisseurin zum Theatertreffen zu bringen?» So in etwa lautete die absolut nachvollziehbare, männlicherseits nicht ganz hämefreie Kritik nach der Bekanntgabe der diesjährigen Auswahl. In der Tat hatte sich die weibliche Mehrheit in den vergangenen Monaten mit wachsendem Unbehagen über...

Impressum

Theater Heute

Die Theaterzeitschrift
im 58. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter

Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Kraemer
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709...

Bremen: Animal triste

1989 fanden in der Prager Nationalstraße Demonstrationen statt, die nach einigen Tagen in die sogenannte Samtene Revolution mündeten. Die einerseits das stalinistische Regime hinwegfegte, andererseits das Doppelstaatsgebilde Tschechoslowakei implodieren ließ und das Land einem radikalen Raubtierliberalismus aussetzte.
Besonders samten geht es bis heute zumindest...