Kino: Alles ist Film!
Eigentlich sollte der Film Ende Mai ins Kino kommen: pünktlich zum 75. Geburtstag Rainer Werner Fassbinders. Wenn er denn so alt geworden wäre. RWF schaffte nur 37 Jahre, die allerdings derart voll mit Filmen, Theaterstücken, Skandalen, Liebe, Hass, Alkohol und Koks waren, dass Otto Normalverbraucher*in dafür mindestens fünf Leben gebraucht hätte. 44 Filme, 26 Theaterstücke, die Miterfindung des Neuen Deutschen Films, Cannes, ein Goldener Bär, weltweite Anerkennung (im Ausland mehr als daheim) – viel Stoff für ein kurzes Leben, viel zu viel Stoff für 120 Minuten Kino.
Doch Oskar Roehler, der sich selbt gern zum Enfant terrible stilisiert, dem Mainstream und politischer Correctness widerständig, kann im Kraftmeiern mit seinem Vorbild Fassbinder durchaus mithalten. Und bedient sich eines Tricks: der Verschmelzung von Leben und Werk. Kein allzu fern liegender Gedanke, Fassbinder spielte ja nicht selten selbst in seinen Filmen und besetzte sie gerne mit seinen weiblichen und männlichen Lovern. Roehler dreht die Frage, wie viel persönliches RWF-Leben in seinen Filmen steckt, allerdings um: Wie viel Film steckt im Leben? Ist auch die Wirklichkeit nur Inszenierung? «Alles ist Film, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Barbara Burckhardt
Die kleine Form hat Konjunktur – zumindest bei der diesjährigen Ausgabe des Kunstfests Weimar. Ob Falk Richter, Theresia Walser oder Sibylle Berg, sie alle lieferten den Corona-gerechten Solo-Sound des vereinsamten Menschens. Während Bergs Text «PAUL oder im Frühling ging die Erde unter», der in der Regie von Ersan Mondtag mit Benny Claessens immerhin noch eine...
«Bitte erwarten Sie nichts, das ist nur ein theatralischer Trailer.» Mit diesem Vorwort lässt Regisseur, Hauptdarsteller und Musiker Christian Friedel gleich am Anfang die Luft aus sämtlichen Erwartungshaltungen, die sich an dieses «Searching for Macbeth» richten könnten. Per Video gibt es eine Einführung zum Stand der Dinge, was man eigentlich vorhatte (Musik,...
Wie spielt man in einem großen Haus Repertoiretheater trotz Pandemie? Am Hamburger Thalia versucht man es so: beschränkte Platzzahl, Plexiglasscheiben zwischen den Logen, ein Irrgarten von Zugängen ins Haus. Dabei geht es in Antú Romero Nunes’ «Ode an die Freiheit» um den Versuch, das Freiheitspathos aus drei Schiller-Dramen zu schälen. Also um politische Freiheit...
