In Nebel des Ungefragten
Man könnte es sich leicht machen und sagen: Theaterfilme gibt es doch eigentlich nicht. Denn entweder ist etwas live gespielt vor Publikum (egal ob physisch kopräsent oder über digitale Kanäle vermittelt), dann ist es theatral.
Oder es ist von Kameras eingefangen, konserviert und beliebig oft ausspielbar, dann ist es, nun ja, ein Film.
«Theaterfilme sind noch kein Genre, sondern eher eine Situation», sagt Jutta Wangemann, eine der Juror:innen des Theaterfilmfestivals am Ballhaus Ost bei unserem Gespräch.
Und diese Situation hat natürlich mit Corona zu tun – und mit der Output-Orientierung der Förderstrukturen. In der größtenteils projektbasierten freien Szene müssen Produktionsgelder gemäß fester Fristen der Fonds verausgabt werden. Und also fanden viele Projekte während der monatelangen Lockdowns der Theaterhäuser antragsbedingt nicht den Weg auf Bühnen, sondern eben ins digitale Bild. Als Filme, die genuin dem Theaterzusammenhang entstammen.
Viel Nahansicht, viel Innenraum
94 solcher Theaterfilme sind beim Open Call des Berliner Ballhaus Ost eingereicht worden, und eine Jury (um Dramaturgin Jutta Wangemann, Film- und Theatermacher Phil Collins sowie die beiden ...
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Theater heute August/September 2022
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christian Rakow
Personen
Pilger 1
Zeitreisende, 36 Jahre, Binnenflüchtling aus dem Gebiet Luhansk
Pilger 2
Erfinder der Zeitmaschine, 60 Jahre, Binnenflüchtling aus dem Gebiet Luhansk
Szene 0
Pilger 1
erste Regel für Zeitreisende
sich nicht einmischen
zweite Regel für Zeitreisende
was passiert ist ist passiert
dritte Regel für Zeitreisende
kein Paradox schaffen
die...
Schon wieder Werther! In einer Zeit perpetuierter Außen-Katastrophen, die das subjektive Erleben dominieren, in der Corona, Klimawandel und der Krieg die Welt von überall her einschnüren und zum Schreckbild gerinnen lassen, scheint Goethes Explosion des Subjektivismus bis zur Selbstauslöschung so etwas wie das Gegenmodell der Stunde. Der ich-besoffene Ego-Shooter...
Solche Einladungen bekommt man als Theaterkritikerin selten: «Liebe Frau Wahl, ich freue mich sehr, dass Sie daran interessiert sind, ein Interview mit mir zu machen. Ich habe aus Gründen, die sich mir nicht vollständig erschließen, große Lust dazu!», schrieb Svenja Liesau zurück, als ich sie um ein Gespräch für dieses Porträt bat. «Wenn Sie Lust haben» – so ging...
