Im Irrgarten der Referenzen
Im Zeitalter der Verflüssigung aller Geschlechtszuschreibungen wird eine ferne Figur wie Edward II, mittelalterlicher König von England, wieder interessant. Dabei sieht man nur durch eine fast endlose Reihe von verschmierten Fenstern auf eine kaum mehr erkennbare Gestalt. Pinar Karabuluts Mini-Serie «Edward II», produziert vom Schauspiel Köln, blickt durch Ewald Palmetshofers Neufassung auf Christopher Marlowes Drama aus elisabethanischer Zeit; dazwischen haben sich noch Bertolt Brechts Bearbeitung von 1924 und Derek Jarmans Film von 1992 geschoben.
Und Marlowe bedient sich der Chronik Holingsheds von 1587, die wiederum auf unzuverlässigen Nachrichten der Hofschreiber des 13. Jahrhunderts beruht. Wen man da als Geschlechtergrenzen überschreitenden Herrscher zu sehen meint, der ist vor allem ein Nachbild unserer eignen Zeit.
Marlowes Stück balanciert noch homophobe Gewalt und freundliche Männerliebe aus, schon um die Zensur zufriedenzustellen. Zusammengehalten wird die Handlung bei ihm weniger durch die wechselnden Affären des Königs als durch den dauerhaften Widerstand der Barone gegen seine unfähige Regierung. Politik ist das Zentrum bei Marlowe, nicht die Liebe. Das ändert sich ...
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Theater heute Mai 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 54
von Gerhard Preußer
2./SONNTAG
20.15, arte: Tod auf dem Nil
Spielfilm (Großbritannien 1977) von John Guillermin, mit Peter Ustinov, Jane Birkin, Bette Davis, Mia Farrow, David Niven u.a.
23.35, das Erste: Rückkehr nach Montauk
Spielfilm (Deutschland 2017) von Volker Schlöndorff, mit Susanne Wolff, Stellan Skarsgard, Nina Hoss, Isi Laborde, Bronagh Gallagher, Niels Arestrup u.a.
4./DIE...
Theatertreffen 2021 – muss das sein? Der Auswahlzeitraum umfasst großzügig gerechnet nur gut vier Monate – sechs Wochen vor dem ersten Lockdown, zehn Wochen vor dem zweiten –, viele der vorgeschlagenen Inszenierung konnten von der Jury nicht mehr nachgereist, sondern nur in qualitativ sehr unterschiedlichen Videoaufzeichnungen angesehen werden. Immerhin wurden...
Nach einigen Gintersdorfer/Klaßen-Inszenierungen sind gewisse dramaturgische Moves der Truppe bereits vertraut: Ein politisch und künstlerisch verschränktes Thema wird ausgelegt, aus verschiedenen Perspektiven vom möglichst diversen Ensemble beleuchtet und vorangetrieben, bis irgendwann ein oder zwei Performer von der Elfenbeinküste das gut gemeinte, aber oft...
