Im Irrgarten der Referenzen
Im Zeitalter der Verflüssigung aller Geschlechtszuschreibungen wird eine ferne Figur wie Edward II, mittelalterlicher König von England, wieder interessant. Dabei sieht man nur durch eine fast endlose Reihe von verschmierten Fenstern auf eine kaum mehr erkennbare Gestalt. Pinar Karabuluts Mini-Serie «Edward II», produziert vom Schauspiel Köln, blickt durch Ewald Palmetshofers Neufassung auf Christopher Marlowes Drama aus elisabethanischer Zeit; dazwischen haben sich noch Bertolt Brechts Bearbeitung von 1924 und Derek Jarmans Film von 1992 geschoben.
Und Marlowe bedient sich der Chronik Holingsheds von 1587, die wiederum auf unzuverlässigen Nachrichten der Hofschreiber des 13. Jahrhunderts beruht. Wen man da als Geschlechtergrenzen überschreitenden Herrscher zu sehen meint, der ist vor allem ein Nachbild unserer eignen Zeit.
Marlowes Stück balanciert noch homophobe Gewalt und freundliche Männerliebe aus, schon um die Zensur zufriedenzustellen. Zusammengehalten wird die Handlung bei ihm weniger durch die wechselnden Affären des Königs als durch den dauerhaften Widerstand der Barone gegen seine unfähige Regierung. Politik ist das Zentrum bei Marlowe, nicht die Liebe. Das ändert sich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 54
von Gerhard Preußer
Die Theaterzeitschrift im 62. Jahrgang
Gegründet von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt, Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Kraemer
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709 Berlin, Telefon 030/25 44 95 10,...
507 lautet die entscheidende Zahl. 507 Arbeitsstunden müssen die Freelance-Angestellten in Frankreichs Theater- und Filmbranche, die sogenannten «intermittent.e.s», aufweisen, um ihren Status beizubehalten und Anspruch auf staatliche Unterstützung zu haben. Das System der «intermittence» ist eine kulturpolitische Ausnahme in Frankreich. Die Künstler*innen sind...
«Wir Schwarzen müssen zusammenhalten› – eine Erwiderung» – das Titelzitat ist an sich schon eine Steilvorlage für einen postkolonialen Enthüllungszauber, wie ihn das vielköpfige Team um den Regisseur Jan-Christoph Gockel und den deutsch-togoischen Schauspieler Komi Togbonou an den Münchner Kammerspielen präsentiert. Als appropriative Erweiterung des allseits...
