Wien: Das Glück aus dem Zylinder
Wieder am 18. und 25. Juni in Wien. www.volkstheater.at
Zu den Attraktionen des Oktoberfests zählte zu Horváths Zeiten ein Panoptikum, eine Art Black Box der Attraktionen. Das zylinderförmige Objekt aus leuchtenden und blinkenden Schnüren, das im Volkstheater auf der Bühne steht, erinnert entfernt an ein solches Panoptikum; es ist das Einzige, was in dieser Aufführung äußerlich auf die Wiesn verweist. Zu sehen ist das, was im Zylinder passiert, nur schemenhaft, beziehungsweise auf einer Videoleinwand.
Das glitzernd kühle Bühnenbild (Ramallah Aubrecht) passt zu Lana Del Reys bittersüßem Song «Video Games», der immer wieder anklingt; dieser wiederum gibt die Tonart vor, in der Philipp Preuss Horváths vielgespieltes Volksstück «Kasimir und Karoline» inszeniert: kühl, aber leidenschaftlich; hart, aber herzlich.
In den Titelrollen ist zum letzten Mal das Volkstheater-Dreamteam Rainer Galke und Stefanie Reinsperger zu erleben – Letztere wechselt in der nächsten Spielzeit ans Berliner Ensemble. Galke hockt die meiste Zeit des zwei pausenlose Stunden langen Abends in sich versunken an der Rampe: ein Schmerzensmann der Arbeitslosigkeit, ein lebendes Mahnmal der Krise. Reinspergers Karoline ist eine vor Lebenswut dampfende junge Frau, die ihren ...
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Theater heute Juni 2017
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Wolfgang Kralicek
Was ist dieser Tartuffe für einer? Ein Sektenguru, der einen Vater seiner Familie entfremdet, indem er gottgefällige Gebote ausspricht. Vielleicht sogar die Inkarnation eines ziemlich trendigen asketischen Zeitgeistes: gegen Rauchen, Trinken, Laisser-faire. Und hintenrum natürlich durch und durch verlogen. Wie die meisten Reinheitsapostel.
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