Hardware, Software, Notwehr
Warwara sucht Ruhe. Dafür ist sie in die Schweizer Berge gekommen. Doch auch wenn sich das Treffen, zu dem ihr Mann Sergej Bassow geladen hat, «Retreat» nennt und von «Digital Detox» die Rede ist – richtig ernst nimmt das keiner. Schließlich findet sich hinter jeder Ecke ein Laptop, unter jedem Stuhl ein iPhone. Aber Warwara meint es ernst mit ihrem Vorhaben: Am Schluss wird sie alle anderen als unechte Menschen entlarvt haben. Sie bringt sie alle um ihre digitale Existenz, vernichtet Identitäten, sperrt Kanäle, löscht Profile. Und hat nun endlich ihre Ruhe.
Am Anfang und am Schluss liegt Annika Meier im Liegestuhl vor dem Bergidyll. Um sie herum – Schweigen. Ist auch sie in einem Loop gefangen?
Ruhe und Schweigen gibt es dazwischen, in den 280 Minuten «Sommergäste» im Basler Schauspielhaus, allerdings selten. Auch in Maxim Gorkis Originaltext wird pausenlos geredet, gestritten, diskutiert und debattiert. Ebenso in der Überschreibung, die Dietmar Dath verfasst und Stefan Pucher inszeniert hat. Und wie bei Gorki ist etwas in dieser idyllischen Schweiz faul: Es kann noch als Gag durchgehen, dass von Davos die Rede, aber das Matterhorn zu sehen ist – das ist 192 Kilometer Luftlinie ...
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Theater heute April 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Valeria Heintges
Die Verschränkung von Kapitalismus und Pa -triarchat wird nirgendwo brutaler verhandelt als an weiblich gelesenen Körpern. Wenn die Form dieser Körper nicht der Norm entspricht, fällt das Urteil umso härter aus. In Laura Linnenbaums Bühnenadaption von Daniela Dröschers «Lügen über meine Mutter» ist es der mehrgewichtige Körper der Mutter, der als Zielscheibe der...
Es war sehr schwierig, Ihre Figuren zu begreifen. Wer waren sie?» Das war die erste Frage beim Publikumsgespräch nach der Lesung von «Rocco Darsow» am Goethe-Institut Tokio im Juli 2016. Ich antwortete: «Es gibt keine Figuren, wir sind einfach wir selbst, die vier Schauspieler:innen.» Ein Zuschauer: «Aber welche Gefühle wollten Sie bei uns hervorrufen?» Ich:...
Das vorliegende Theaterstück besteht aus über einhundert Gesprächen. Die meisten davon wurden real geführt zwischen Januar und September 2022, die anderen sind frei erfunden. Genau lässt sich das nicht mehr zuordnen, Schade.
Samuel W. wird während des gesamten Stücks nicht auf der Bühne zu sehen sein. Er sagt nichts, auch nicht aus dem Off. Ihn abzubilden oder in...
