Hamburg: Kein fester Boden
Zwei Migranten in McJobs: 30. Stock, Fassadenreinigung. Immerhin ist die Bezahlung gut, auf die andere Seite der Glasfassade, in die Vorstandsetage, wird man es ohnehin nicht schaffen. Und: Man ist sicher vor dem Bürgerkrieg im Heimatland. Allerdings ragen die Auswirkungen des Krieges bis ins 30. Stockwerk: Benjamins Familie wurde im Krieg von Rebellen überfallen, sein Vater umgebracht, seine Schwester vergewaltigt. Und Isaac hatte sich vor seiner Flucht den Rebellen angeschlossen, schlimmer noch: Er war der Vergewaltiger.
Maya Arad Yasurs «Diamond Stars» benannte bei der Uraufführung 2010 noch konkrete Länder und Kriege, die Überarbeitung «In der Schwebe» verzichtet auf die klaren Konkretisierungen und fokussiert sich auf den Schwebezustand der Protagonisten, zwischen Krieg und Frieden, zwischen Migration und Ankommen, zwischen Belastung und Erlösung. Ein Schwebezustand, der in der Migrationsgesellschaft zur Standardsituation wird.
Marion Schindler hat für Alek Niemiros Inszenierung an der Thalia-Nebenspielstätte Gaußstraße ein so einleuchtendes wie funktionales Bühnenbild gebaut: einen langen Sims vor einem halbdurchsichtigen Vorhang, auf dem Bekim Latifi als Benjamin und Steffen ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Falk Schreiber
Michael Merschmeier Sie schreiben in Ihrem autobiografischen Buch «Ich stehe zur Verfügung»: «Kuhstall war der eine Geruch meiner Kindheit, der andere war Weihrauch.»
Peter Simonischek Schreib ich das wirklich? (lacht laut)
MM Tun Sie. Kuhstall und Kirche vermitteln Geborgenheit, Gemeinschaftsgefühle. Ein gutes Ensemble kann auch eine Gesellschaft wie eine...
Zu Beginn der Pressekonferenz, auf der der Berliner Kultursenator Klaus Lederer den Intendanten der Volksbühne (dann wieder: am Rosa-Luxemburg-Platz) ab 2021/22 vorstellte, wurde ein fünfseitiges Papier verteilt. Es handelte sich dabei offenbar um eine aktualisierte Form des Bewerbungsschreibens, das den 56-Jährigen Ende letzten Jahres beim Senat unter der...
Filme auf dem Theater haben den Vorteil der geschlossenen Erzählung, die das Publikum schätzt, die das Theater, das sich um avancierte Zeitgenossenschaft bemüht, aber hinter sich gelassen hat. Filme auf dem Theater haben den Vorteil, dass das Theater an einem theaterfremden Stoff alle seine vielfältigen Mittel der ästhetischen Brechung linearer Narrativität...
