Hamburg: Kein fester Boden
Zwei Migranten in McJobs: 30. Stock, Fassadenreinigung. Immerhin ist die Bezahlung gut, auf die andere Seite der Glasfassade, in die Vorstandsetage, wird man es ohnehin nicht schaffen. Und: Man ist sicher vor dem Bürgerkrieg im Heimatland. Allerdings ragen die Auswirkungen des Krieges bis ins 30. Stockwerk: Benjamins Familie wurde im Krieg von Rebellen überfallen, sein Vater umgebracht, seine Schwester vergewaltigt. Und Isaac hatte sich vor seiner Flucht den Rebellen angeschlossen, schlimmer noch: Er war der Vergewaltiger.
Maya Arad Yasurs «Diamond Stars» benannte bei der Uraufführung 2010 noch konkrete Länder und Kriege, die Überarbeitung «In der Schwebe» verzichtet auf die klaren Konkretisierungen und fokussiert sich auf den Schwebezustand der Protagonisten, zwischen Krieg und Frieden, zwischen Migration und Ankommen, zwischen Belastung und Erlösung. Ein Schwebezustand, der in der Migrationsgesellschaft zur Standardsituation wird.
Marion Schindler hat für Alek Niemiros Inszenierung an der Thalia-Nebenspielstätte Gaußstraße ein so einleuchtendes wie funktionales Bühnenbild gebaut: einen langen Sims vor einem halbdurchsichtigen Vorhang, auf dem Bekim Latifi als Benjamin und Steffen ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Falk Schreiber
Das Foyer des Bremer Theaters hat sich in ein Pop-up-Restaurant verwandelt. Holztische stehen dicht an dicht, an den Wänden hängen bunte Plakate, arabischer Pop dudelt, hinter einer Bar köchelt scharfe Erdnusssoße. Alles wirkt auf undurchsichtige Weise gleichzeitig koordiniert und improvisiert, ähnlich den Kaschemmen, die man in Asien und Lateinamerika häufig am...
Die Spielplandramaturgie war klassisch: save the best for last. Zum Saisonschluss und Ende ihrer Intendanz programmierte Barbara Frey nochmal zwei der prägendsten Handschriften ihrer Zürcher Jahre: zunächst im Schiffbau Karin Henkel, die viele große Abende in Zürich inszeniert hat, mit Thomas Mann; tags darauf sie selbst mit James Joyce.
«Die Toten», «Der...
Shakespeare, meint Johan Simons, sei wie ein Wald mit Hügeln, Bäumen, Teichen und Moorseen: «Man rutscht leicht aus, der Boden ist glitschig.» Mal sehen, wohin der Waldspaziergang «Hamlet» mit Sandra Hüller führt
Cennet Rüya Voss musste schon einige patriarchale Rollenmuster aus dem Repertoire kontern – ein Porträt
Wenn die Pointen immer dichter hageln auf die...
