Hamburg: Ach, Gottchen
Das Hamburger Thalia Theater und die Popmusik, das ist eine nicht erwiderte Liebe. Immer wieder versucht man hier, Inszenierungen entlang von Popsongs zu strukturieren, immer wieder fällt man damit auf die Nase – vergangene Saison unter anderem mit Stefan Puchers Abba-«Tartuffe», Ene-Liis Sempers und Tiit Ojasoos Rammstein-«Hänsel und Gretel» und Jette Steckels Kate-Tempest-«Sturm». Und doch gibt man sich nicht geschlagen und versucht weiter, das Pop-Versprechen von Leidenschaft, Sentiment, Sex, Ironie und Revolte in die eigene Arbeit zu integrieren.
Jüngster Anlauf: der Mythos von Orpheus, dem antiken Sänger, der fieseste Gegner mit seiner Stimme betören konnte und der selbst seine verstorbene Geliebte Eurydike aus dem Totenreich zurückholte, naja, zumindest fast.
Die Idee leuchtet ein: «Orpheus» ist eine Poperzählung, in der unbedingte Liebe ebenso verhandelt wird wie Problemlösung mittels guter Songs (außerdem bietet sich der Stoff auch noch für gnadenlose Oberflächenbegeisterung an). Und Antú Romero Nunes ist ein Regisseur, dem man zutraut, die Ungereimtheiten dieser Geschichte mit eleganter Unbekümmertheit zu überspielen. Als inhaltliche Setzung gibt er vor, dass Orpheus und ...
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Theater heute Oktober 2018
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Falk Schreiber
Verschreckt treten sie auf die Bühne, die Schauspielerinnen und Schauspieler in ihren schaumstoffgefüllten Fatsuits mit den angehefteten Geschlechtsorganen. Ein Hofstaat zum Abgewöhnen: übergewichtig und uniform; Monster, zu allem bereit. Mit an Bord sind für diesen «Macbeth» in Weimar Corinna Harfouch und Susanne Wolff, die sich Titelrolle und Lady Macbeth...
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