Goldschmied der Ironie

Theater als Lebensersatz: Gerhard Stadelmaiers Roman «Umbruch»

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Es gibt sie tatsächlich, die Theaterkritiker, die in ihrem Leben nichts von Bedeutung erlebt haben, außer, was ihnen die Bühne als Material anbot. Was von Kritik verletzte Schauspieler und Regisseure seit ewigen Zeiten als gehässige Vermutung über den Beruf des Aufführungsrichters ablassen, dass diesen wohl nur im Leben Zukurz­gekommene ergreifen, die das Theater behandeln, umarmen und bestrafen müssen wie eine eigensinnige Geliebte, das bestätigt ihnen jetzt Gerhard Stadelmaier: mit einer Lebensbeichte ereignisloser Jahre auf 220 Seiten verketteter Bandwurmsätze.

Zwar nennt der langjährige Cheftheaterkritiker der «FAZ» den Einblick in sein monothematisches Beobachterleben mit dem Titel «Umbruch» Roman, spricht von sich selbst über viereinhalb Lebensjahrzehnte hinweg immer nur in der dritten Person als «der junge Mann» und verrät­selt alle halbwegs berühmten Persönlichkeiten aus Theater und Journalis­mus bis zur totalen Kenntlichkeit. Alles andere an diesem Buch ist aber so derartig ungetarnte Biografie, dass es auch jeder «FAZ»-Verweigerer sofort versteht.

Denn in Stadelmaiers «Umbruch» geht es im Wesentlichen nur um diese zwei Dinge: Der «junge Mann» im Theater ...

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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Bücher, Seite 60
von

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