Goldschmied der Ironie
Es gibt sie tatsächlich, die Theaterkritiker, die in ihrem Leben nichts von Bedeutung erlebt haben, außer, was ihnen die Bühne als Material anbot. Was von Kritik verletzte Schauspieler und Regisseure seit ewigen Zeiten als gehässige Vermutung über den Beruf des Aufführungsrichters ablassen, dass diesen wohl nur im Leben Zukurzgekommene ergreifen, die das Theater behandeln, umarmen und bestrafen müssen wie eine eigensinnige Geliebte, das bestätigt ihnen jetzt Gerhard Stadelmaier: mit einer Lebensbeichte ereignisloser Jahre auf 220 Seiten verketteter Bandwurmsätze.
Zwar nennt der langjährige Cheftheaterkritiker der «FAZ» den Einblick in sein monothematisches Beobachterleben mit dem Titel «Umbruch» Roman, spricht von sich selbst über viereinhalb Lebensjahrzehnte hinweg immer nur in der dritten Person als «der junge Mann» und verrätselt alle halbwegs berühmten Persönlichkeiten aus Theater und Journalismus bis zur totalen Kenntlichkeit. Alles andere an diesem Buch ist aber so derartig ungetarnte Biografie, dass es auch jeder «FAZ»-Verweigerer sofort versteht.
Denn in Stadelmaiers «Umbruch» geht es im Wesentlichen nur um diese zwei Dinge: Der «junge Mann» im Theater ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Bücher, Seite 60
von
Dario Fo wollte im Theater sterben. Das heißt: Am liebsten wollte er natürlich gar nicht sterben. Wie er 2003 im Marcel-Proust-Fragebogen des «Corriere della Sera» angab, war ihm der Tod das größte Unglück. Nicht das Sterben allerdings, sondern «… nicht mehr zu leben».
Schon sein Großvater hatte diese feine Unterscheidung getroffen. Großvater Bristin,...
Jede Bühnenästhetik ist ein Statement, sie sagt etwas über die Welt. In den Augen des Duos Pinter/Kruse war sie noch nie ein schöner Ort, sie war düster, bedrohlich, abgründig und paranoid. Wenn bei Pinter das Reale ins Surreale kippte, wurde es ungemütlich. Entgegenzusetzen war dem allenfalls das Rockige, dezidiert Ungebundene. Finster blieb es.
Das kleine Duo...
Daran, dass sich die Berliner Volksbühne um 2011/12 noch einmal aus ihrem jahrelangen Formtief erholte, hatte wohl auch er seinen Anteil: Daniel Josefsohn, geboren 1961 in Hamburg als Sohn israelischer Eltern, Fotograf, Künstler, Magazinmitgestalter, Kampagnenerfinder (seine wohl berühmteste waren die «Miststück»-Plakate für MTV in den 90ern), verantwortete...
