Gewalt und Familie

In Hannover bringt Lukas Holzhausen Christian Barons Roman «Ein Mann seiner Klasse» überzeugend auf die Bühne

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Dieser Typ – breite Schultern, ordentlich Bauchansatz und mehr Tattoos als Haut auf den nackten Armen – macht einfach weiter: Stoisch baut er aus ein paar Holzplatten ein Podest, schraubt Wände daran, befestigt Scharniere. Zufrieden steckt er kurz die Hände in die Hosentaschen, geht etwas zur Seite, raucht eine Selbstgedrehte. Dann baut er wieder. Ruhig und unermüdlich. Fügt eine Tür ein, verlegt einen Teppich, zieht eine Waschmaschine nach vorn, tapeziert Wände.

Er tut das den ganzen Abend lang, völlig ungerührt vom Geschehen auf der Bühne, jener Bühne, die er gerade zusammenbaut. 

Darauf und davor berichtet ein gewisser Christian aus seiner Kindheit. Kein Spaß war diese, und doch für ihn normal. Dass sein Vater Alkoholiker, jähzornig und gewalttätig war, dass dieser regelmäßig seine depressive Mutter zusammenschlug und dass sich er und sein älterer Bruder Benny dann tief unter die Bettdecke verkrochen. Davon erzählt er und vom ständigen Abschotten der Familie, damit bloß keiner was merkt: «Unsere einzige und wichtigste Strategie in der neuen fremden Umgebung war, nicht aufzufallen, unsichtbar zu sein.» Er erinnert sich auch an jene wenigen schönen Nächte, in denen er mit seinem ...

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Theater heute Dezember 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Katrin Ullmann

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